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Einsendeschluss: 31. August 2018

Mit Poesie zum Möbelstück

Rainer Mutsch © Doris SeebacherRainer Mutsch © Doris SeebacherRainer Mutsch © Doris SeebacherRainer Mutsch © Doris SeebacherRainer Mutsch - Regal Crash © Doris Seebacher

Vergangene Weihnachten zeichnete sich der 34-jährige Donnerskirchner für die prunkvolle Weihnachtsbeleuchtung „Crystal Lights" in der Wiener Kärntner Straße verantwortlich. Dieses Jahr ist er für den Design Preis in London nominiert. Warum es wichtig ist, Poesie in seine Möbel zu bringen und warum er sich nie ein Billy-Regal in die Wohnung stellen würde, darüber spricht der Donnerskirchner Designer Rainer Mutsch im Gespräch mit der Kreativwirtschaft Burgenland.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie stammen aus einer Tischlerfamilie. Wieso führen Sie das Geschäft Ihrer Eltern und Ihrer Großeltern nicht im selben traditionellen Stil fort?
Rainer Mutsch: Ich hatte schon sehr früh einen Bezug zu Proportionen und einen besonderen Bezug zu Möbel. Meinen ersten Stuhl habe ich bereits mit zehn Jahren in der Tischlerei meines Vaters gebaut. Nach der Matura studierte ich Industrial Design, wo es auch um den Entwurf von Gebrauchsgütern geht. Während meines Studiums in Berlin habe ich nebenbei für den berühmten Designer Werner Aisslinger gearbeitet. Das war für mich der Zeitpunkt, an dem ich bemerkte, dass ich diese Arbeit selbstständig weitermachen will.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist das Wichtigste in Ihrem Job? Übung? Kreativität? Gute Kontakte?
Rainer Mutsch: Während meines Studiums habe ich etwa 25 verschiedenen Möbel gemacht - man lernt das Fach, indem man viel herstellt. Theorie ist auch wichtig, aber noch wichtiger ist das Arbeiten mit der Materie. Absolut notwendig ist, dass man viel unterwegs ist, viel sieht und viel ausprobiert. Design in nur einer Stadt zu studieren, das wäre der falsche Weg.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was waren die größten Probleme in der Startphase? Wie bekommt man gute Kontakte zu Firmen, die in einen jungen, kreativen Designer investieren möchten?
Rainer Mutsch: Es ist irrsinnig schwierig, anfänglich das notwendige Vertrauen von Firmen zu bekommen. So ein Stuhl wie „Dune" (Anm: ein Sitzmöbel aus Beton) beispielsweise ist ein riesengroßes Investment für Eternit und damit für sie auch ein Risiko. Denn ich bin derjenige, der der Firma sagt, welchen Weg wir einschlagen und Eternit verlässt sich dann 100prozentig auf mich.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie kamen Sie zu so einem großen Auftrag für das Unternehmen Eternit?
Rainer Mutsch: Das Unternehmen hat 2007 einen Wettbewerb zum Entwurf eines Pflanzengefäßes ausgeschrieben. Ich habe mitgemacht und - trotz großer Konkurrenz - gewonnen. „Dune" ist ein Objekt, zu dem wir bereits Anfragen aus New York und aus Tokyo haben, das heißt, es  funktioniert auch international.

Kreativwirtschaft Burgenland: Dieses Sitzmöbel ist aus Beton. Wer stellt sich so etwas in sein Wohnzimmer?
Rainer Mutsch: Niemand, „Dune" ist ein Möbelstück für den Outdoorbereich. Das Material hat den Vorteil, dass man es das ganze Jahr über im Freien stehen lassen kann und es trotzdem mindestens 20 Jahre hält.

Kreativwirtschaft Burgenland: Das heißt, Firmen kommen zu Ihnen und sagen: „Erstellen Sie uns bitte einen originellen Entwurf zu einem Sofa, zu einem Regal etc.  ...?
Rainer Mutsch: Genau, Ideen und Ansätze dazu kommen von mir. Dann entsteht das Projekt gemeinsam mit der Firma. Ich versuche, Proportionen zu finden und zu schauen: Wie steht das Ding im Raum? Dazu erstelle ich Modelle und baue  bei den Firmen den Prototypen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie hoch war Ihr Startkapital? Wie konnten Sie Ihre Experimente finanzieren?
Rainer Mutsch: Null. Ich habe immer sehr viel Innenarchitektur gemacht. Das war für mich der Einstieg und das mache ich auch jetzt noch. Mit diesen Einnahmen konnte ich meine Experimente mitfinanzieren. Es war hart, aber es hat eigentlich von Anfang an ganz gut geklappt.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wieso sind Sie vom Burgenland nach Wien gegangen? Bietet das Burgenland nicht genug Inspiration für kreative Köpfe?
Rainer Mutsch: Vorrangig einmal wegen des Studiums. Grundsätzlich ist es in Wien am Start einfacher, schon auf Grund des Netzwerkes. Es ist wichtig, dass man im ständigen Austausch mit seinen Studienkollegen steht. Aber mittlerweile denke ich darüber nach, ob ich mich nicht ich in ein paar Jahren wieder im Burgenland niederlassen werde. Ich brauche eine Werkstatt mit viel Platz.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie beeinflusst Sie das Burgenland in Ihrer Kreativität? 
Rainer Mutsch: Sehr. Ich bin gerne in der Natur und der wesentliche Teil meines Berufs ist das Entwerfen. Dazu brauche ich nur den Skizzenblock und den Neusiedler See. Meine Eltern haben ein Haus in Rust direkt am Wasser und das ist für mich der beste Ort, um einen klaren Kopf zu bekommen. 90 Prozent all meiner Entwürfe sind dort entstanden.

Kreativwirtschaft Burgenland: Warum sollte sich ein Kunde nun Ihr Regal „Crash„ und kein „Billy" von Ikea ins Wohnzimmer stellen, obwohl Ihres um ein Vielfaches teurer ist?
Rainer Mutsch: Das kommt darauf an, welche Ansprüche der Kunde hat. Brauche ich es nur als Ablage, um etwas hineinzustellen? Dafür erfüllt „Billy" auch seinen Zweck. Bei meinen Sachen ist immer ein sehr persönlicher Bezug da.  Man kann nicht Design machen, der für jedermann gilt. Für mich ist es wichtig, dass in jedem meiner Stücke ein bisschen Poesie und Persönlichkeit drinnen steckt. Nebenbei soll es aber auch funktionieren. Ich persönlich würde mir nie im Leben ein „Billy-Regal" kaufen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was werden Ihre nächsten Projekte sein?
Rainer Mutsch: Für Viteo, ein steirisches Unternehmen für Outdoormöbel, entwerfe ich gerade ein komplettes Programm. Mein Ziel dabei ist es, eine Outdoor-Kollektion mit derselben Wohlfühlqualität zu schaffen, wie man sie aus dem eigenen Wohnzimmer gewohnt ist.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie waren im Vorjahr für die komplette Weihnachtsbeleuchtung in der Wiener Kärntner Straße verantwortlich ... ein Projekt, für das sich jetzt bereits auch andere europäische Städte interessieren ...
Rainer Mutsch:  Ja, das war ein großer Auftrag von der Wirtschaftskammer - das Beleuchtungsprojekt  „Crystal Lights", welches ich mit der Firma Blachere umgesetzt habe. Dabei handelt es sich um überdimensionale Luster mit insgesamt 550.000 Kristall-Lichtern. Ich habe dafür den gesamten Entwurf und die Projektbetreuung gemacht. Die Eröffnung war im Vorjahr und die Luster hängen jetzt für die nächsten zehn Jahre. Ich wurde auch schon von Interessenten aus Stockholm eingeladen, das Projekt dort in einer ähnlichen Form zu gestalten.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie haben auch schon viele Preise für Ihre Objekte gewonnen. Auf welchen sind Sie besonders stolz?
Rainer Mutsch: Mit „Dune" haben wir im Vorjahr auch den „Good Design Award" in Chicago gewonnen.  Besonders stolz bin ich auf die Nominierung für den „Brit Insurance Design of the year" - Award.  Das ist einer der wichtigsten internationalen Designpreise.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wenn Ikea auf Sie zukommen und Sie bitten würde, eine kreative Regalserie zu entwerfen - würden Sie zustimmen?
Rainer Mutsch: Mit Ikea bin ich immer ein bisschen vorsichtig, weil ich es nicht mag, wenn irgendwelche Sachen entstehen, die in Billiglohnländern produziert werden. Aber grundsätzlich wäre es schon einmal interessant, an einem Projekt mit großer Stückzahl zu arbeiten.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist das Schöne an Ihrem Job?
Rainer Mutsch: Mein Beruf ist gleichzeitig mein Hobby. Das Schöne daran ist die Vielfältigkeit, weil es mit jedem Material und mit jedem Möbel eine neue Herausforderung gibt. Jedes Detail und jede Herangehensweise erfordert immer einen neuen Denkansatz.

Zu Rainer Mutsch: Design ist sein Leben, und gleichzeitig sein Hobby. Seine Produkte „Dune", „Crash" oder „Shift" haben bereits weltweit renommierte Designer-Preise gewonnen, für seine weihnachtliche Lichtinstallation „Crystal Lights" auf er Wiener Kärntner Straße interessieren sich auch schon andere europäische Städte. Aufgewachsen in Donnerskirchen - in einer Tischlerfamilie in der dritten Generation - entdeckte der heute 34-Jährige bereits als Kind seine Liebe zu Holz und den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. Nach Matura an der HTL-Mödling (Möbel- und Innendesign) begann er das Studium Industrial Design an der Wiener Angewandten, studierte Furniture Design in Kopenhagen und Produktdesign in Berlin. Seit 2007 betreibt er sein eigenes Designstudio am Rennbahnweg in Wien.

Das Interview führte die Journalistin Doris Seebacher (Foto unten). Das Interview kann auch als PDF heruntergeladen werden.

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 Doris Seebacher Doris Seebacher
Journalistin und Fotografin

http://www.seebacherdoris.at