Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

Zwischen Kunst und Juwelier

Klaudia Jost © Roland PittnerKlaudia Jost © Roland PittnerKlaudia Jost © Roland PittnerKlaudia Jost © Roland Pittner

Klaudia Jost, lebt und arbeitet in Rax bei Jennersdorf. Sie absolvierte die Ortweinschule in Graz im Bereich bildnerische Gestaltung und Metallgestaltung. Seit 2005 betreibt sie auch ein eigenes Geschäft für ihren Schmuck in Jennersdorf. Seit 30 Jahren stellt sie Schmuck her, der nicht nur tragbar, sondern auch Kunstobjekt ist. Neben Ausstellungen in Wien und Graz, stellte Jost in Valencia und Madrid sowie in Frankfurt am Main aus.  Ihre Inspiration holt sich die Schmuckgestalterin von Reisen und in ihrer eigenen Werkstätte. Darüber spricht  die Schmuckdesigner Klaudia Jost mit der Kreativwirtschaft Burgenland.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie hat ihre Karriere als Schmuckdesignerin begonnen?
Klaudia Jost: Steine haben mich schon als Kind fasziniert, ich brachte sie in Reih und Glied, ordnete sie. Das Glitzern und Funkeln hat mich damals wie heute gefesselt. Ich habe schon in jungen Jahren irrsinnig viel Zeit für mich gehabt, da kann viel entstehen, das war auch der Grund dafür, dass ich weiter gekommen bin bei dieser Arbeit. Denn die Gestaltung ist die Beschäftigung mit sich selbst.

Kreativwirtschaft Burgenland: Welche Ausbildung haben sie dann absolviert?
Jost: Ich war bildnerisch schon immer ziemlich gut. Dann habe ich mit 14  an der Ortweinschule in Graz begonnen. Nach einem allgemeinen Jahr, besuchte ich den Zweig Metallgestaltung. Da stand nicht speziell Schmuck im Vordergrund, sondern vor allem Design. Danach habe ich auch noch eine sozialpädagogische Ausbildung absolviert.

Kreativwirtschaft Burgenland: Woher nehmen Sie die Inspiration?
Jost: Die Inspiration nehme ich aus einem Konglomerat aus erlebten Dingen und in erster Linie von Reisen, anderen Kulturen, verschiedenen Materialien, Gestaltungsmitteln und das zusammen ergibt dann die Idee. Manche Dinge fallen mir ein und ich mache sie. Ab und zu  ist auch etwas Provokantes in meinen Schmuckstücken dabei. Das ist ja nichts Schlechtes, so lange niemand verletzt wird. Wie zum Beispiel meine neuesten Stücke - die Orden.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was sind das für Orden?
Jost: Orden sind auch Schmuck und sie haben diese wunderschönen Bänder. Sie haben ja etwas martialisches, das wollte ich ihnen nehmen. Ich verbinde sie mit Kameradschaftsbund und Burschenschaften, da wollte ich komplett weg und den Orden neu erfinden. Deshalb gibt es den Schokoorden, Karottenorden und viele andere. Die Leute kaufen ihn für besondere Verdienste, er hat ja eine irrsinnige Symbolkraft.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wer sind die Leute, die Ihren Schmuck kaufen?
Jost: Zu mir kommen ausgewählte Menschen, die sich etwas gönnen wollen. Es sind solche, die ein Bewusstsein für meine Arbeit haben. Ich habe ein großes Einzugsgebiet von Wien über Graz. In Jennersdorf gibt es nur sehr wenige Leute, die in mein Geschäft kommen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie haben ihr Geschäft in Jennersdorf eröffnet, warum?
Jost: Ich bin hier zu Hause und arbeite hier. So ein Geschäft würden viele in Wien erwarten, aber es kommen auch genug Wiener hier her. Wieso sollen die Jennersdorfer nicht auch ein schönes Geschäft haben. Mein Laden ist ein Schmuckstück in dieser wunderbaren Stadt.  Das Südburgenland ist aber nicht der Ort, an dem man mit extravagantem Schmuck reich werden könnte.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie sieht es wirtschaftlich aus?
Jost: Ich führe ein "Luxusunternehmen", arbeite nebenbei als  als Sozialpädagogin, damit ich mir mein Geschäft leisten kann. Die Anerkennung für Schmuck als Kunstform ist nach wie vor nicht gegeben. Ich sage nicht, ich bin Künstler, ich bin Handwerker und arbeite nicht schlecht. Meine Schmuckstücke befinden sich genau zwischen Kunst und Schmuckgeschäft, so muss ich auch die Preise gestalten. Andererseits habe ich auch eine Verkäuferin eingestellt, die jetzt auch kreativ tätig ist. Sie hat Taschen entworfen und die Zusammenarbeit ist sehr gut für uns beide. So schaffe ich auch einen Arbeitsplatz, das leiste ich mir.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie fertigen auch Auftragsarbeiten an, wie funktioniert das?
Jost: Wenn ich für jemanden Schmuck entwerfen soll, muss ich mich mit der Person vorher auseinandersetzen. Denn ich will ja, dass die Person dann übers ganze Gesicht strahlt, wenn sie ihr Schmuckstück trägt. Ich verkaufe mehr Auftragsarbeiten, als vorhandene Dinge. "Bitte Klaudia mach' was für mich." Diese Arbeit macht mir besonderen Spass. Wenn ich meine eigenen Ideen umsetzen kann und die Auftraggeber damit glücklich und zufrieden sind.  Schmuck für sich alleine zu gestalten ist möglich, aber es ist etwas bei dem die Umwelt einbezogen wird, eine Art der Kommunikation.

Kreativwirtschaft Burgenland: Fällt es manchmal schwer ein Stück zu verkaufen, wenn man lange daran gearbeitet hat?
Jost: Früher war es schwer, mittlerweile kann ich es schon. Ich kenne ja auch die Leute, die den Schmuck kaufen und weiß, dass er gut aufgehoben ist. Die Käufer gehen auch sorgsam mit meinen Werken um. Wenn jemand schnell einen Ring kaufen will, kommt er nicht in mein Geschäft.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wo entstehen ihre Schmuckstücke?
Jost: Schmuckmachen ist erst so richtig toll, seit ich meine  eigene Werkstatt habe. 1986 adaptierte ich einen riesigen Raum mit zwei Niveaus zu meinem Refugium und das ist irrsinnig schön. Dort stehen die verschiedensten Materialien herum - alles was ich brauche, lege ich in die Werkstatt. Irgendwann kann ich dann genau dieses oder jenes Stück verwenden. Man braucht Zeit und Geduld, bis etwas entsteht.

Kreativwirtschaft Burgenland: Welche Materialien verarbeiten sie in ihren Schmuckstücken?
Jost: Es werden Edelmetalle verarbeitet: Gold, Silber, Platin. Auch die traditionellen Schmuckgestaltungselemente wie: Edelsteine, Halbedelsteine, Perlen und Korallen kommen zu Verwendung. Darüber hinaus, setze ich Holz, Kunststoff, Federn, Nerz ein und eigentlich alles, was ich sonst noch in meiner Vorstellung vom fertigen Schmuckstück habe. Ich baue die Dinge teilweise traditionell zusammen, weil es mir gut gefällt. Interessant ist es aber, neue Wege zu gehen und Materialien hinzuzufügen, die überhaupt nicht üblich sind, wie Kunststoff oder Nerz.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist ihr persönliches Lieblingsschmuckstück?
Jost: Ich mache Kleinserien. Wenn ich etwas wiederholen muss, ist es nicht mehr interessant. Es muss eine Entwicklung geben. Ein Ring aus Kunststoff und Pelz ist mein Lieblingsstück. Denn er ist nicht unbedingt die tragbare Variante für jedermann, es ist ein Schmuckobjekt.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie sind ihre Pläne für die Zukunft?
Jost: Die Homepage hat ihre Wichtigkeit, wir müssen sie aktualisieren. Es gibt immer wieder Verkäufe über das Internet. Das könnte man noch mehr ausbauen. Gestalterisch würde ich gerne noch Schweißarbeiten machen und auch mehr mit Holz. Ich habe noch einige Sachen im Kopf, Schmuck in Verbindung mit Textil, wie bei den Orden.

Zu Klaudia Jost: Klaudia Jost, lebt und arbeitet in Rax bei Jennersdorf. Sie absolvierte die Ortweinschule in Graz im Bereich bildnerische Gestaltung und Metallgestaltung. Seit 30 Jahren stellt sie Schmuck her, der nicht nur tragbar, sondern auch Kunstobjekt ist. Neben Ausstellungen in Wien und Graz, stellte Jost in Valencia und Madrid sowie in Frankfurt am Main aus. Ihre Inspiration holt sich die Schmuckgestalterin von Reisen und in ihrer eigenen Werkstätte. Seit 2005 betreibt sie auch ein eigenes Geschäft für ihren Schmuck in Jennersdorf.

Das Interview führte der Journalist Roland Pittner. Das Interview kann auch als PDF heruntergeladen werden.

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