Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

Erst der gute Ton macht die Musik

Horst Pfaffelmayer © Doris SeebacherHorst Pfaffelmayer © Doris Seebacher

Der 43-jährige Horst Pfaffelmayer ist in seinem Tonstudio Goldchamber Mastering in Siegendorf nicht nur für den guten Sound bei der ORF-Produktion „Helden von morgen" verantwortlich, sondern hilft auch bei der Auswertung von Flugschreibern oder eliminiert Umgebungsgeräusche aus der Tierwelt.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie sind Sie zu Ihrer Berufung gekommen?
Horst Pfaffelmayer: Ursprünglich habe ich Geschichte und Politikwissenschaften studiert, parallel dazu - eigentlich schon ab meinem 15. Lebensjahr - war ich immer schon an Technik interessiert. In dem Bereich war ich jedoch Autodidakt, denn in ganz in Europa gab es damals keine Ausbildung dafür. Während meiner gesamten Studienzeit hatte ich ein schlechtes Gefühl, weil ich mir nicht sicher war, ob Geschichte und Politik wirklich die richtige Berufung für mich ist.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie haben Sie dann endgültig zur Tontechnik gefunden?
Pfaffelmayer: Ich hatte damals auf der Uni einen Professor, einen Historiker, der mich sehr zum unkonventionellen Arbeiten angeregt und mir beigebracht hat, dass nicht alles im Leben nach starrem Dogmata funktioniert. Schon früher haben die Leute herumprobiert, bis etwas gepasst hat, und dasselbe gilt auch für die Technik. 1991 hatte ich dann das Glück, dass der Vater eines Freundes in Deutschland eine Workshopreihe initiierte. Einer der Dozenten dort war Bruce Swedien, der bereits Techniker bei Michael Jackson und Quincy Jones war. Ihm habe ich natürlich Löcher in den Bauch gefragt.

Kreativwirtschaft Burgenland: Das war mit Sicherheit ein Wendepunkt in Ihrem Leben. Haben Sie dann noch versucht, Ihr Studium abzuschließen?
Pfaffelmayer: Nein. Kurz vor dem Diplom hab ich als Wissenschaftsassistent auf der Uni gearbeitet und Demografiestudien für das Burgenland gemacht. Als das Ministerium alle Planstellen einschließlich meiner gekürzt hatte, dachte ich mir „egal", und habe das Studium abgebrochen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Ohne Job, kein abgeschlossenes Studium - wie konnten Sie sich die teure Ausrüstung für diesen Beruf dennoch finanzieren?
Pfaffelmayer: Damals habe ich viel Lateinnachhilfe gegeben, dadurch hatte ich ein bisschen Erspartes. Zum Glück gab es damals noch die Jungunternehmerförderung mit 160.000 Schilling. Die Auflagen dazu waren aber nicht so ohne. Das Geld wurde in zwei Tranchen zu je 80.000 Schilling ausbezahlt. Die zweite Tranche gab es nur dann, wenn man mindestens 300.000 Schilling Umsatz im Jahr gemacht hatte. Das war nicht so einfach zu schaffen, aber ich hab es geschafft.

Kreativwirtschaft Burgenland: Also musste genau überlegt werden, was zuerst angeschafft wird, um gut starten zu können. Was war Ihre erste Investition?
Pfaffelmayer: Das war ein Equalizer, der damals 100.000 Schilling gekostet hat. Das teuerste aber war das Computersystem.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie haben sich zu einem Experten in Ihrem Feld Musikbearbeitung entwickelt. Was sind Ihre speziellen Aufgaben?
Pfaffelmayer: Wenn das Material aus einem herkömmlichen Tonstudio kommt, dann ist es noch nicht fertig. Denn oft arbeiten bis zu 15 Studios an einer einzigen Platte und da muss es im Endeffekt einen gemeinsamen Nenner geben, sonst klingt ja alles verschieden. Wir fügen dieses Material zusammen und machen dann den Tonträger fixfertig für die Pressung.

Kreativwirtschaft Burgenland: Nehmen wir ein aktuelles Projekt als Beispiel her ...
Pfaffelmayer: Bis vor kurzem machten wir das Mastering, also die digitale Endbearbeitung der Playbacks, für die ORF-Produktion „Helden von morgen". Das heißt, für jene Lieder, zu denen die Kandidaten dann  live singen mussten, machten wir die Endproduktion. Dabei führten wir das gesamte Material, das auch wieder in verschiedenen Studios aufgenommen wurde, zusammen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Kann man von diesen Aufträgen leben?
Pfaffelmayer: Ja, und hierbei war auch sehr viel zu tun, denn wir arbeiteten unter großem Zeitdruck. Wir mussten um vier Uhr früh im Studio sein und arbeiteten dann bis 21 Uhr. Das war notwendig, denn die  Kandidaten begannen ab Donnerstag dazu proben.

Kreativwirtschaft Burgenland: Das lässt sich wohl alles nicht allein administrieren. Wie viele Personen sind in Ihr Unternehmen eingebunden?
Pfaffelmayer: Mit mir sind es vier Personen, davon eine in der Verwaltung. Drei davon machen das Musikmastering und ich alleine kümmere mich auch noch um die forensische Restaurierung.

Kreativwirtschaft Burgenland: Der Bereich von Musikproduktionen ist also nicht Ihr einziges Arbeitsfeld - was machen Sie noch?
Pfaffelmayer: Ich bereite gerichtstechnisch Tonaufnahmen auf. Beispielsweise habe ich kürzlich eine Restaurierung mit Kollegen aus England zu einem Hubschrauberabsturz in Schottland gemacht. Unser Auftrag war es, den Flugschreiber auszuwerten, was bedeutet, wir mussten die Fluggeräusche eliminieren. Die Flugzeugtechniker konnten dann anhand der Rotorgeräusche erkennen, dass es einen Rotorfehler gegeben hat. Und somit wurde belegt, dass die Absturzursache kein Pilotenfehler, sondern ein technisches Gebrechen war.

Kreativwirtschaft Burgenland: Ihr Aufgabengebiet in Ihrem Tonstudio ist aber noch weitaus vielfältiger und interessanter...
Pfaffelmayer: Ja. Beispielsweise habe ich kürzlich für das Konrad Lorenz Institut ein paar Sachen gemacht, wo es darum ging, Umgebungsgeräusche aus der Tierwelt zu eliminieren. Dann gibt es immer wieder Tonbandaufnahmen von diversen Überwachungen zu bearbeiten, bei denen der Ton schlecht ist.

Kreativwirtschaft Burgenland: Musik bleibt aber in Ihrem Wirkungsfeld trotzdem ein wesentlicher Punkt. Sie bearbeiten auch Musikwerke berühmter Musiker?
Pfaffelmayer: Ja, von sehr vielen sogar. Beispielsweise von Wolfgang Ambros, von STS, von den Seern, den Söhnen Mannheims oder vom London Philharmonic Orchestra. Und, auf das bin ich besonders stolz, die CD der Original Elvis Presley Band aus Nashville.

Kreativwirtschaft Burgenland: Ich nehme an, dass hier der Kontakt zu den Musikern persönlich ist?
Pfaffelmayer: Ja, zu fast allen. Die meisten kommen jedoch nicht zu mir ins Studio. Bei der Elvis Presley Band war es zum Beispiel so, dass nur ein paar der Herren, die ja alles schon über 70 Jahre alt sind,  zu mir gekommen sind. So wurde ein Teil der CD hier in Österreich, der andere Teil in Nashville aufgenommen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Ihr scheint in der Branche bereits eine hohe Reputation zu genießen?
Pfaffelmayer: Es gibt Leute, die behaupten, dass wir das gut machen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Welche Projekte stehen als nächstes bei Ihnen an?
Pfaffelmayer: Nach dem Projekt „Helden von morgen" wird es dann noch einen Sampler geben - eine Art „Best of" der ganzen Sendung. Danach steht uns ein Projekt aus Thailand ins Haus und unsere forensischen Dienstleistungen müssen promotionstechnisch vorangetrieben werden.

Kreativwirtschaft Burgenland: Man könnte sagen, dieses Tonstudio ist ein Aushängeschild der burgenländischen Wirtschaft. Profitiert auch die regionale Wirtschaft von dieser Leistung?
Pfaffelmayer: Die lokalen Gastbetriebe profitieren von mir, weil viele meiner Kunden hier nächtigen und essen gehen. Ich bringe die Kunden dann schon in Lokale, wo ich selbst gerne hin gehe. Nicht nur Mörbisch bringt dem Burgenland Gäste, auch viele andere Unternehmen, die nicht subventioniert werden, tragen enorm dazu bei, dass es der burgenländischen Wirtschaft gut geht.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist für Sie aber das Schöne an ihrem Beruf?
Pfaffelmayer: Das Schöne daran ist, dass es jeden Tag etwas anderes ist, obwohl es eigentlich jeden Tag das gleiche ist. Man wird dazu genötigt, ständig dazuzulernen. Wenn man glaubt, das Projekt ist eh gleich wie das vorige, dann hat man schon verloren.

Zu Horst Pfaffelmayer: Der 43-jährige Horst Pfaffelmayer betreibt seit fast 20 Jahren sein Tonstudio Goldchamber Mastering in der Gewerbezone Ost in Siegendorf. Auf 150 m2 wird hier alles bearbeitet und nachbearbeitet, was mit Ton, Sprache oder Musik zu tun hat. Prominente Namen wie „Die Söhne Mannheims", Mitglieder der legendären „Elvis Presley Group" oder der Band „Faith no more" gehen bei ihm ein und aus. Aktuell kümmert sich der Studienabbrecher und Autodidakt um die Nachbearbeitung der instrumentalen Playbacks für die ORF-Show „Helden von morgen". Aber Goldchamber Mastering ist sich nicht nur für guten Sound zuständig, sondern auch für die Restaurierung unbrauchbarer Tonaufnahmen und für forensische, also gerichtstechnische Aufbereitung von Audiodateien - beispielsweise um Unfälle, Missverständnisse oder Verbrechen aufzuklären. Pfaffelmayer ist ledig, Vater eines 14-jährigen Kindes und hasst Musik von Lady Gaga. Stattdessen liebt er Metal, Funk und Klassik sowie Touren auf seinem Mountainbike.

Das Interview führte die Journalistin Doris Seebacher (Foto unten). Das Interview kann auch als PDF heruntergeladen werden.

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 Doris Seebacher Doris Seebacher
Journalistin und Fotografin

http://www.seebacherdoris.at