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Einsendeschluss: 31. August 2018

Ein kleiner Verlag mit hoher literarischer Qualität

Horst Horvath © Roland Pittnerlex liszt 12 © Roland PittnerHorst Horvath © Roland Pittner

Seit 1992 gibt es den Verlag "edition lex liszt 12". Damals im Offenen Haus Oberwart gegründet, wurden bis heute mehr als 100 Bücher publiziert. Clemens Berger hat sein erstes Buch beim Verlag veröffentlicht, auch Stefan Horvaths "Katzenstreu" wurde vom Oberwarter Verlag produziert. Der geschäftsführende Obmann Horst Horvath stand für das Zentrum für Kreativwirtschaft Rede und Antwort:

Kreativwirtschaft Burgenland: Was war der ausschlaggebende Punkt einen eigenen Verlag zu gründen?
Horst Horvath: Peter Wagner hatte 1992 gerade sein Buch "Lafnitz" geschrieben. Es ging um rumänische Flüchtlinge, die nach Österreich kommen und wie sie hier behandelt werden, das war immerhin lange vor der heutigen Asyldebatte. Das Werk sollte zweisprachig auf Rumänisch und Deutsch erscheinen. Es fand sich aber kein Verlag dafür, also setzten wir uns zusammen und die Idee vom eigenen Verlag und "edition lex liszt 12" war geboren. Lex, das Gesetz und liszt 12, ist die Adresse des Offenen Haus Oberwarts, ehemals Jugendhaus, wo wir bei der Gründung zusammen waren. Peter Wagner, Autor und Künstler, Max Wachter, Gründer der Zeitung Uhudler und Augustin und ich gründeten den Verein und somit den Verlag. Dann ging es auch schon los mit dem Erstlingswerk.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie kam das Erstlingswerk des noch jungen Verlages an?
Horst Horvath: Wir haben die Finanzierung aufgestellt und alle Aufträge im Burgenland belassen - Layout und Druck. Eine Palette Bücher haben wir auch nach Rumänien gebracht und dort verteilt. Es war etwas Neues und eine gute Sache.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie entwickelte sich der Verlag?
Horst Horvath: Durch die kleine Struktur und die begrenzten finanziellen Mittel können wir keine Autoren länger unter Vertrag nehmen. Es wird Buch für Buch ausgehandelt, dieses wird verlegt und dann schauen wir weiter. Viel fällt und steht mit der Finanzierung. Bis jetzt haben wir mehr als 100 Bücher, CDs, Videos und DVDs herausgegeben. Zwischen vier und acht Stück sind es jedes Jahr. Wir wollen vor allem Autorinnen und Autoren, die im Burgenland sind, einen angemessenen Platz bieten, um hier veröffentlicht zu werden.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wer sind die Autoren, die bei "edition lex liszt 12" ihre Bücher veröffentlichen?
Horst Horvath: Wir haben eine gute Mischung. Es sind sowohl etablierte, als auch neue Autoren, deren Bücher wir veröffentlichen. Jutta Treiber zum Beispiel oder Anni Pirch, aber auch Clemens Berger hat sein erstes Buch "Der gehängte Mönch" bei uns verlegen lassen. Wenn jemand mit einem Manuskript zu uns kommt, wird es erst geprüft, dann wird wegen der Finanzierung geschaut. Hierzu stelle ich die Förderanträge und dann wird über den Druck entschieden.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie finanziert der Verlag ein neues Buch?
Horst Horvath: Eine Grundförderungen erhalten wir manchmal vom Bundesministerium für Bildung, Kunst und Kultur. Doch leider erhalten wir nur den niedrigsten Fördersatz. Ansonsten wird viel ehrenamtlich gemacht und auch die Autoren müssen manches mal selbst ihre Werke mitfinanzieren oder Sponsoren dafür auftreiben. Es sind vor allem die externen Kosten, wie Druck, Layout und Lektorat, die anfallen. Der Aufwand für den Vertrieb der Bücher wird je nach verkauften Büchern verrechnet.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie viele Mitarbeiter sind im Verlag involviert?
Horst Horvath: Ich mache die administrativen Tätigkeiten, Dr. Annemarie Klinger kümmert sich um das Lektorat, das Layout wird von Daniel Chaloupka gemacht.  Andreas Lehner, Annemarie Klinger und ich sind im Vorstand. Gedruckt wird ausschließlich im Burgenland. Wir achten darauf, dass die meisten Tätigkeiten bei uns in der Region gemacht werden - es ist ja ein heimischer Verlag. Hier ist auch der Unterschied zu den großen Verlagen, die oft im Ausland drucken, da es dort billiger ist. Auch für die Gestaltung der Cover arbeiten wir mit heimischen Künstlern zusammen, das hat alles System.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was waren die Höhepunkte in der Geschichte des Verlages?
Horst Horvath: Da gab es einige, aber mit Sicherheit war eines der Highlights das Buch "Sendepause - Medien und Medienpolitik in Österreich". Hierfür hat sich kein anderer Verlag gefunden, weil sich die Leute vor dem Thema fürchteten. Es wurden alle Medien Österreichs systematisch durchleuchtet und viele kamen nicht gut weg. 2000 Stück hat man uns damals, im Jahr 1999, aus den Händen gerissen. Es wurde auch oft probiert zu klagen, aber durch die gute Recherche der Autoren Harald Fidler und Andreas Merkle war das Buch nicht anfechtbar. Am besten verkauft hat sich "Fleckerlteppich" von Jutta Treiber. Das mussten wir sogar Nachproduzieren lassen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie verhält es sich mit der Themenvielfalt in Zukunft?
Horst Horvath: Wir decken viele Themen ab und werden dies auch in Zukunft tun. Ob Geschichtliches, Volksgruppenthemen oder Literatur. Wir haben auch schon Videos herausgebracht, CDs und Hörbücher, wir sind da flexibel. Im Liszt Jahr werden auch zwei Bücher zum Jubiläum erscheinen. Sigmund Kleinl schreibt eines und das andere wird ein Kinderbuch von Gerhard Krammer. Ein weiteres großes Projekt für das Jahr 2011 ist der "Burgenlandfisch.at". Nur so viel: es hat etwas mit dem Jubiläum 90 Jahre Burgenland zu tun. Ein weiteres Buch wird das Thema ebenfalls bearbeiten. Es kommt von Anni Pirch, die selbst 2011 - 90 Jahre alt wird.

Autor/innen des Verlags: Gerhard Altmann, Klaus-Jürgen Bauer, Clemens Berger, Friedl Berka-Unger, Herbert Brettl, Thomas Brezina, Manfred Choboth, Ernő Deák, Fidler/Merkle, Robert  Frittum, Pehm/Gerbavsits, Gombos/Gruber/Teuschler, Klaus Haberl, Hilda Halwachs, Michael Hess, Stefan  Horvath, Spuller Horvath, Walter Paul Kirsch, Siegmund Kleinl, Emmerich Koller, Gerhard Krammer, Wolfgang Krug, Wolfgang R. Kubizek, Eduard & Johannes Kutrowatz, Adi Lang, Andreas Lehner, Eveline Lehner, Linzer/Vlasich, Kemal Mahmutefendi´c, Maringer/Steinweg, Christine Marold, Wolfgang Millendorfer, Ursula Mindler, Dieter Mühl, Gerhard L. Neumarkt, Johann Panner, Anni Pirch, Ludwig Popper, Gottfried Pröll , Eveline Rabold, Hildegard Rath, Christian Reumann, Hans Rochelt, Helmut Samer, Kurt A. Schantl, Edith Schedl, Erich.M. Schneller, Schremser/Lichtenberger, Eva Schwarzmayer, Jan Sokol, Stephna Stibor, Karl  Stoijka, Katharina Tiwald, Susanne Toth, Jutta Treiber, Peter Wagner, Karl Weidinger, Hans Wetzelsdorfer, Gertrud Zelger-Alten und Anton Zimmermann.

Lebenslauf: Horst Horvath wurde am  2. März 1963 in Neudörfl geboren. Nach dem Polytechnischem Lehrgang absolvierte er seinen Zivildienst im Kinderdorf Pöttsching und blieb dort noch einige Jahre Erzieher. 1986 zog er mit Freda Meissner-Blau in den Bundespräsidentenwahlkampf und managte die Kampagne. Danach kam er ins Burgenland zurück und entwickelte für das Arbeitsmarktservice Projekte zur Arbeitsbeschaffung im kreativen Bereich. Der Verein Roma, das Offene Haus Oberwart und viele andere Projekte wurden von Horvath über die Jahre initiiert. Genauso wie der Verlag "edition lex liszt 12".

 

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