Musik „in Blasen"

Spectralmind © Doris SeebacherSpectralmind © Doris SeebacherSpectralmind © Doris SeebacherSpectralmind © Doris SeebacherSprectralmind © Doris Seebacher

Das Unternehmen Spectralmind hat ein Programm entwickelt, das Ordnung in jede Musiksammlung bringt. Wie aus einem Uni-Projekt ein weltweiter Erfolg wurde und warum jeder die Musik bekommen sollte, die er auch verdient, darüber sprechen die vier Gründer im Gespräch mit der Kreativwirtschaft.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie kam es zur Gründung von Spectralmind? Ihr kennt euch ja bereits von der Uni?
Spectralmind: Seit 2008 gibt es uns als Unternehmen, davor waren wir Studenten an der TU Wien. Als Assistenten betrieben wir dort bereits gemeinsam Forschung im Bereich Audio- und Musikanalyse und programmierten Algorithmen, die Ähnlichkeit  bei Musikstücken berechnen konnten.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie entstand dann euer App „Sonarflow", mit der ihr jetzt weltweit Erfolg feiert und die ursprünglich eigentlich als akademisches Projekt konzipiert war?
Spectralmind: Unsere Freunde fragten uns ständig, wann gibt's euer Programm endlich auf meinem iPhone oder auf meinem Computer? Das war für uns die Motivation, aus einem Uni-Projekt ein reales Produkt zu machen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Könnt ihr für jemanden, der nicht weiß, was ein iPhone oder ein iPad ist, erklären, was euer Programm „Sonarflow" kann?
Spectralmind: Der Computer hört sich Musik an und erkennt, was darin an verschiedenen Rhythmen, Klangmustern und Klangfrequenzen enthalten ist.  Davon erstellt er dann einen Fingerabdruck. Diese werden miteinander verglichen und der Computer kann somit die Musik sortieren und einem gewissen Genre zuordnen, wie Klassik, Reggae, Indie, Soul oder Popmusik.

Kreativwirtschaft Burgenland: Das heißt, wenn der Computer eine Geige erkennt, wird ein Song automatisch der klassischen Musik zugeordnet?
Spectralmind: Genau. Ein Musikinstrument oder aber auch das Tempo haben Auswirkungen auf den Fingerabdruck. Das Praktische daran ist aber auch die originelle, visuelle Darstellung. Es gibt nicht mehr diese endlosen Listen von A bis Z, sondern eine zweidimensionale Anordnung in farbigen Blasen, den sogenannten Bubbles. Die Größe der Bubbles zeigt an, wie viel Musik darin enthalten ist.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was kostet die Entwicklung von so einem Programm?
Spectralmind: Über 200.000 Euro sind in die Entwicklung der innovativen Musikanalysetechnologie, einer Business-Lösung für Musikportale im Internet und in die iPad-App geflossen, weil wir alles neu auf die Markterfordernisse abstimmen mussten.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was waren die größten Probleme in der Startphase? Wie habt ihr die Finanzierung dafür aufgestellt?
Spectralmind: Die größte Herausforderung war, ein gutes Team zusammenzustellen und das natürlich auch zu finanzieren. Über aws (Austria Wirtschaftsservice) bekamen wir eine eigene Finanzierung, die speziell für Innovationen aus Österreich und für Projekte, die im internationalen Wettbewerb erfolgreich sind, reserviert ist. Wir haben mittlerweile auch schon mündlich eine Anschlussfinanzierung genehmigt bekommen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie betreibt man erfolgreiches Marketing für eine App? Ist klassische Werbung dafür nicht zu „veraltet"?
Spectralmind: Wir lernen selber gerade erst, wie man richtiges Marketing  betreibt, nämlich weniger klassisches Marketing, sondern eher über die Web 2.0-Schiene. Das heißt, man arbeitet mit Facebook und Twitter und schaut, dass man dabei viele Follower, also Gruppen, die sich für einen interessieren, hat. Auch Blogger sind sehr wichtig für uns.

Kreativwirtschaft Burgenland: Jeden Tag landen neue Apps auf dem Markt. Wird es nicht immer schwieriger, hier erfolgreich zu sein und auch Geld dafür zu verlangen?
Spectralmind: Ja, aber auch da lernen wir gerade dazu, und schauen uns an, wie viele Leute eigentlich bereit dazu sind, für ein App zu zahlen. Das ist momentan unsere Strategie, dass wir beides anbieten: eine Gratisversion und eine Bezahlversion um 1,59 Euro.

Kreativwirtschaft Burgenland: Welche Dienste bietet Spectralmind seinen Kunden sonst noch? Können auch große Unternehmen von euch profitieren?
Spectralmind: Wir bieten Business to Business-Lösungen an, bei denen es um das Thema Audioanalyse und Audiosuche geht. Das findet seinen Einsatz unter anderem im Medienbereich. Ein Beispiel: Wenn ein Rundfunkunternehmen ein großes Audioarchiv hat, können wir es durchsuchen und man erspart sich zeitraubende Recherchen mittels Schlagwörtern. Man gibt hier einen Song vor, der für die Untermalung gut passen würde. Ich will aber dazu etwas Ähnliches und bekomme dazu weitere Vorschläge geliefert, die vielleicht noch besser passen oder bei denen die Lizensierung günstiger ist.

Kreativwirtschaft Burgenland: Drei von euch kommen vom Neusiedler See. Inspiriert euch das Burgenland zu euren Ideen?
Spectralmind: Der Seewinkel und der See waren immer eine Inspiration für uns. Beim Joggen durch die Weingärten kommen uns immer wieder gute Ideen. Eine Vision war auch immer schon ein Designcenter inmitten der Weingärten. Wir sind jetzt seit zwei Jahren in Wien und richten unseren Blick aber auch wieder in Richtung Burgenland. Unser Ziel: Die Eröffnung der ersten Filiale wird im Burgenland, gefolgt von Kalifornien.

Kreativwirtschaft Burgenland: Vielleicht werdet ihr eines Tages ein großer Arbeitgeber im Burgenland sein?
Spectralmind: Hoffentlich. Momentan sind wir auf der Suche nach Mitarbeitern im Marketing und im Grafikdesign. Wir suchen Entwickler, die an einem innovativen Produkt mitarbeiten wollen. Unsere Kunden suchen wir aber nicht nur in Österreich, sondern weltweit.  Denn in dem Moment, wo ich mein Produkt in einen App-Store stelle, bin ich sowieso global.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie sieht eurer Meinung nach der Musikmarkt der Zukunft aus? Den typischen Schallplattenladen von früher gibt es ja jetzt schon kaum mehr.
Spectralmind:  Momentan konzentriert sich alles auf bezahlte Downloads. Wir glauben, dass die Zukunft im „Streaming" liegen wird.  Das bedeutet, man ladet Musik nicht mehr herunter, sondern bezahlt eine monatliche Gebühr. Dafür kann man dann jederzeit auf das gesamte Musikrepertoire der ganzen Welt zugreifen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wird es für den einfachen Musikkonsumenten nicht noch schwerer werden, den Überblick über das Musikangebot zu behalten?
Spectralmind: Nein, denn wir kümmern uns auch darum, dass all diese unüberschaubaren Angebote vereinfacht werden, und dass jeder genau die Musik findet, die ihm gefällt.  Denn auch das ist eine große Innovation bei „Sonarflow", dass unser Programm wirklich weiß, wie die Musik klingt. So können wir Lieder weiterempfehlen, von denen wir genau wissen, dass sie den persönlichen Musikgeschmack von jedem einzelnen treffen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was werden eure nächsten Projekte sein? Wann wird es „Sonarflow" auch am iPhone geben?
Spectralmind: Voraussichtlich im März. Weiters sind wir am tüfteln an einer Reihe neuer, innovativer Features für das Programm, beispielsweise zur einfachen Erstellung von Playlisten, sodass sie thematisch gut zusammenpassen. So kann ich mir dann mit zwei Klicks für zwei Stunden verschiedene Musiktitel zusammenstellen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist das Geheimnis eures Erfolges?
Spectralmind: Das iPad hat weltweit wie eine Bombe eingeschlagen. Wir haben im Juli 2010 relativ früh diese App dafür entwickelt und waren damit rechtzeitig am Start. Wir sind damit auch nach wie vor Vorreiter.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist das Schöne an eurem Job?
Spectralmind: Unser Job ist wirklich ein Abenteuer. Es gibt täglich neue Situationen, neue Gespräche mit Kunden, mit Partnern oder mit Investoren. Unser Team wächst, heuer wollen wir größer werden und das ist gerade alles irrsinnig spannend. Unser Unternehmen ist wie ein Baby, dem man beim Wachsen zusieht. 

Zu Spectralmind:  Spectralmind - das sind die Computerfreaks Johann Waldherr und Thomas Lidy aus Gols, Ewald Peiszer aus Podersdorf und der Kärntner Wolfgang Jochum. Gefunden haben sich die Vier an der TU-Wien. Bereits  im Vorjahr entwickelten sie eine App für das iPad, das bereits erfolgreich auf dem Markt ist. Die App heißt Sonarflow und schafft Ordnung in jede private Musiksammlung. Sonarflow wird bereits weltweit  - von den USA bis nach China - erfolgreich genutzt. Derzeit ist die App nur für das iPad erhältlich (gratis und in der Bezahlversion um 1,59 Euro),  voraussichtlich ab März jedoch auch für jedes iPhone.

Das Interview führte die Journalistin Doris Seebacher (Foto unten). Das Interview kann auch als PDF heruntergeladen werden.

 

 

 

 

 

Die Fotos und das Interview stammen von der  Journalistin Doris Seebacher (Foto links). Ein Teil des Interviews ist im Rahmen  einer Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erschienen.


  

  

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 Doris Seebacher Doris Seebacher
Journalistin und Fotografin

http://www.seebacherdoris.at