Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

„Lieber vielfältig als einfältig"

Klaus-Jürgen Bauer © Doris SeebacherKlaus-Jürgen Bauer © Doris SeebacherKlaus-Jürgen Bauer © Doris Seebacher

Langweilig wird dem 48-jährigen Architekten Klaus-Jürgen Bauer nie. Wenn er nicht gerade neue Wohnungen und Häuser plant, widmet er sich anderen schönen Künsten wie der Malerei oder der Musik, hält Vorträge, unterrichtet an der Technischen Universität in Wien oder er schreibt nebenbei Architektur-Bloggs oder ein paar  Bücher. Warum Eisenstadt ein bisschen mehr Harmonie gut tun würde und warum er alles Hässliche gerne umbauen würde, darüber erzählt Klaus-Jürgen Bauer im Interview mit der Kreativwirtschaft Burgenland.

Kreativwirtschaft Burgenland: Herr Bauer, wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass Sie Architekt werden wollen? Gab es ein Schlüsselerlebnis zu Ihrer Berufswahl?
Klaus-Jürgen Bauer: Das wusste ich bereits als ganz kleines Kind, denn ich war beim Legospielen im Kindergarten immer schon um Klassen besser als meine Mitspieler. Es hat mir schon als Kind gefallen, Welten zu entwickeln und räumliche Beziehungen herzustellen. Mit 14 Jahren hatte ich dann ein echtes Schlüsselerlebnis, als ich in einer Zeitschrift ein Foto von einem Haus in Rio de Janeiro gesehen habe. Es stammte von einem Architekten, dem ich seit vielen Jahren nachforsche - er heißt Eduardo Longo.  

Kreativwirtschaft Burgenland: Hat man mit 14 Jahren nicht andere Interessen, als Kunst und Architektur?
Klaus-Jürgen Bauer: In meiner Jugend stand bei mir die Musik im Vordergrund. Ich habe bei verschiedenen Bands gespielt, nebenbei viel gezeichnet und geschrieben. Und nach dem Gymnasium wollte ich anfangen, Kunst und Malerei zu studieren. Dafür habe  ich mich den ganzen Sommer vorbereitet und eine Mappe gemacht. Bei der Anmeldung an der Hochschule für Angewandte Kunst waren dann aber tausende Leute vor mir und die Malereiklasse war im sechsten Stock, die Architekturklasse jedoch im 1. Stock. Und es ist mir so auf die Nerven gegangen, mich im 6. Stock anzumelden, dass ich gleich in die Architekturklasse zu Wilhelm Holzbauer gegangen bin.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wann haben sie sich dann mit ihrem ersten Architekturbüro in Eisenstadt selbständig gemacht?
Klaus-Jürgen Bauer: Das war 1997. Ich war damals als Assistent an der Bauhaus-Universität in Weimar tätig und stand vor der Grundsatzentscheidung: soll ich meine wissenschaftliche Karriere an der Uni fortzusetzen oder soll ich als Architekt selbst etwas schaffen. Letzteres hat mich eigentlich mehr fasziniert. Wir, meine Frau und meine beiden Kinder, sind dann einfach losgefahren. Startkapital hatte ich genau nichts. Ich kam mit meinem Apple-Computer, einem Tisch, einem Bleistift und einem Auto. Und mit ein paar tausend Bücher, die ich unterbringen musste.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie sind ja nicht nur Architekt, sondern widmen sich auch sonst äußerst aktiv der Kunst, sei es mit eigenen Büchern, Malerei, mit Vorträgen etc.
Klaus-Jürgen Bauer:  Es ist für mich kein Widerspruch, sich als Architekt mit vielen Äußerungen der Kunst und des Lebens zu beschäftigten. Ich mache alles, was mich interessiert und versuche, mich dabei nicht einzuschränken. Mein Motto lautet: „Lieber vielfältig als einfältig: Mich interessiert die bildende Kunst sowohl von der praktischen Seite als auch von der Kunsttheorie her. Mich interessiert Literatur, ich schreibe auch selbst sehr viel.

Kreativwirtschaft Burgenland: Eines Ihrer aktuellsten Projekte war die Gestaltung der Ausstellungsräume anlässlich des 200. Geburtstages von Franz Liszt. Erzählen Sie uns ein bisschen darüber - wie sehen sie aus? Und warum kamen gerade Sie zu dieser Ehre, diese Räume zu gestalten?
Klaus-Jürgen Bauer:  Wir haben den Wettbewerb dazu gewonnen.  Die Ausstellungen finden an vier Schauplätzen statt: in Liszts Geburtshaus in Raiding, in seiner Taufkirche in Unterfrauenhaid, die Hauptausstellung wird im Landesmuseum stattfinden und dann wird es noch Sonderausstellungsräume im Haydnhaus geben. Die Räume sehen dabei unterschiedlich aus. Ich habe dennoch versucht, ein paar Dinge einheitlich zu gestalten, beispielsweise die blaue Farbe der Romantik, als Symbol der Zeit, in der Liszt tätig war. Weiters gibt es sogenannte „Giants", das heißt, wir haben für jede Ausstellung einen überdimensionalen Liszt konzipiert. Dieser soll  zeigen, dass er einerseits ein Mensch wie Du und ich war, aber andererseits trotzdem übermächtig in seiner Bedeutung - also der erste Superstar der Weltgeschichte.

Kreativwirtschaft Burgenland: Haben Sie besondere Markenzeichen? Erkennt man Ihre Projekte bereits an Ihrer Handschrift?
Klaus-Jürgen Bauer: Ich glaube schon. Das ist aber nicht bewusst. Mein Interesse ist, mich mit jedem Bauherren neu einzulassen. Ich versuche, bei jedem Projekt eine Art Amateurstatus zu erreichen und mich vor der eigenen Professionalität zu hüten.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist die wichtigste Eigenschaft eines Architekten?
Klaus-Jürgen Bauer: Es ist ein unglaublich schöner Beruf, aber man muss in Wirklichkeit völlig wahnsinnig sein. Man muss sich vorstellen, dass durch ein paar Striche am Papier etwas unglaublich Großes in Bewegung gesetzt wird. Man zeichnet etwas auf und  später steht ein fünfgeschossiges Haus da. Dieser Prozess dauert sehr lange. Und dazu braucht man sehr viel Energie, Ausdauer und wirtschaftliches Geschick.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie beeinflusst Sie das Burgenland bei Ihrer Arbeit und wie finden Sie Ihre Ideen?
Klaus-Jürgen Bauer: Ich bin hier ins Burgenland gekommen, weil mich das Land immer schon fasziniert hat. Das Wetter, das Essen, die Leute und die traditionelle Umgebung. Was man hier an Veränderungen  beobachten kann, ist für mich die größte Beeinflussung. Die Ideen finden dann eher zu mir als umgekehrt. Das kann beim Autofahren sein, beim Herumgehen während eines Telefonats. Wenn man für Ideen bereit ist, kommen die Lösungen dann ganz von selbst auf einen zu.

Kreativwirtschaft Burgenland: Dürfen Sie sich bei Ihren Projekten kreativ entfalten? Wie streng beurteilen Sie die Vorgaben im Burgenland?
Klaus-Jürgen Bauer: Innerhalb der Rahmenbedingungen wird man hier kreativ nicht eingeschränkt. Im Gegenteil. Wir leben in einer Zeit,  die sehr viel möglich macht. Es ist eher so, dass man oft genug noch Potentiale hätte, wo man vielleicht noch ein Stück weiter gehen könnte.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was empfinden Sie, wenn Sie besonders hässliche Gebäude sehen? Alleine in Eisenstadt gibt es einige Bausünden aus den siebziger Jahren ....
Klaus-Jürgen Bauer: Alles Hässliche würde ich gerne umbauen. Ich versuche jedoch, nicht zu kritisieren. Man muss sich überlegen, dass es sich dabei oft um Bauwerke handelt, die alle in einer bestimmten Zeit unter bestimmten gesellschaftlichen Umständen entstanden sind.  In meinem Web-Blogg „Journal der Orte" fahre ich durch verschiedene Länder und beschreibe genau diese Dinge. Es gibt so viele schöne Plätze in der bebauten Welt, dass ich mich mit dem Hässlichen nicht beschäftigen möchte.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wenn Sie jetzt den Auftrag hätten, Eisenstadt so zu gestalten, wie Sie es möchten ... was würden Sie tun?
Klaus-Jürgen Bauer: Dazu habe ich bereits ein Konzept auf der Technischen Universität Wien gemacht. Ich finde Eisenstadt unglaublich attraktiv, es gibt aber Dinge, die man sich durchaus besser vorstellen könnte. Beispielsweise geordnetere Wohnquartiere. Wenn ich durch eine Siedlung gehe mit schön eingezäunten Vorgärten mit Grünflächen, dann habe ich Freude daran. Nicht aber, wenn ich die klassische Einfamilienhaus-Siedlung sehe, wo oft Kraut und Rüben zusammengewürfelt sind. Den Städten würde mehr Harmonie gut tun. Das Burgenland war früher berühmt für seine einheitlichen, weißen Dörfer.  Das wäre auch heute ästhetisch und auch für die Umwelt ein Gewinn.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was tragen sie selbst zur burgenländischen Wirtschaft bei?
Klaus-Jürgen Bauer: Ich habe hier ein Wirtschaftsunternehmen, in dem ich acht Personen beschäftige. Außerdem verbauen wir im Jahr ein gewisses Volumen und davon leben wiederum viele Handwerksfirmen. Also man kann schon sagen, dass wir einen gewissen Anteil an der Wirtschaftsleistung des Burgenlands haben.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wollen Sie eines Tages so berühmt werden wie Sir Norman Foster oder Santiago Calatrava?
Klaus-Jürgen Bauer: Ja, warum nicht? Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der sich gegen den Ruhm und Reichtum sträuben würde. Das ist aber nicht mein primäres Ziel. Mein Ziel ist, neugierig zu bleiben und mit meinen Bauwerken zur Verschönerung der Welt beizutragen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist das Schöne an Ihrem Job?
Klaus-Jürgen Bauer: Das Schöne ist, dass man etwas schafft, das es vorher nicht gegeben hat. Dass man die Chance hat, einen Ort zu erfinden - einen schönen Ort, an dem man sich wohl fühlt und der Bestand hat. Ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen.

Zu Klaus-Jürgen Bauer: Langweilig wird dem 48-jährigen Architekten Klaus-Jürgen Bauer nie. Wenn er nicht gerade neue Wohnungen und Häuser plant, widmet er sich anderen schönen Künsten wie der Malerei oder der Musik, hält Vorträge, unterrichtet an der Technischen Universität in Wien oder er schreibt nebenbei Architektur-Bloggs oder ein paar  Bücher. Sein erster Auftrag war der Umbau der ehemaligen Schlosstaverne zum späteren Esterházy-Restaurant. Im Vorjahr plante er das Cafe Maskaron im Schloß Esterhàzy, für das er den Architekturpreis des Landes Burgenland erhielt. Seine jüngsten Projekte: Die neue Vinothek „Selektion"  in den Esterházy Stallungen in Eisenstadt und die Gestaltung der Ausstellungsräume anlässlich des Jubiläums von Franz Liszt. Bauer ist seit 1997 als selbständiger Architekt in Eisenstadt tätig, verheiratet und hat zwei Kinder.

Die Fotos und das Interview stammen von der  Journalistin Doris Seebacher (Foto unten). Das Interview kann auch als PDF heruntergeladen werden. Ein Teil des Interviews ist im Rahmen einer Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erschienen.

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 Doris Seebacher Doris Seebacher
Journalistin und Fotografin

http://www.seebacherdoris.at