Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

Ein guter Slogan braucht einen Rhythmus

Eveline Rabold © Vanessa BrucknerEveline Rabold © Vanessa BrucknerEveline Rabold © Vanessa Bruckner

Dass es sich mit vielen Talenten nicht immer einfach lebt, würde die 37jährige Grafikdesignerin, Künstlerin und Musikerin Eveline Rabold auf der Stelle unterschreiben. Wie man das Beste aus allen herausholt, warum sie für einen Meisterbrief in der Grafikbranche plädiert und wie wichtig ihrer Meinung nach Kreativität in der Wirtschaft ist, erklärt sie im Gespräch mit der Kreativwirtschaft.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sieht man sich Deinen Lebenslauf an, bekommt man den Anschein, Du wusstest von Beginn an ganz genau, wie Dein beruflicher Werdegang einmal aussehen soll.
Eveline Rabold: Das stimmt, ich wusste bereits mit 13 Jahren, dass ich unbedingt etwas machen will, das mit Grafik zu tun hat. Gleichzeitig bin ich aber auch mit der Musik, meinem zweiten Talent, aufgewachsen. Ich hab sehr früh mit meinen Ausbildungen begonnen, die in eben diese Richtungen gegangen sind.

Kreativwirtschaft Burgenland: War für Dich schon immer schon klar, dass der Grafik-Beruf mehr als ein bloßer Job sein wird?
Eveline Rabold: Ja. Ich denke, dass der Beruf an sich viel mit Talent zu tun hat. Man kann gewisse Dinge lernen, aber einen Großteil macht einfach das Talent aus, das man auf seinem Lebensweg mitbekommt. Deswegen war Grafik-Design für mich immer mehr Berufung als Beruf.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was darf man sich unter dem Begriff „künstlerische Grafik" vorstellen? Wann ist dein Job Kunst bzw. an welchem Punkt werden deine grafischen Arbeiten zur Kunst?
Eveline Rabold: Ich trenne diese beiden Bereiche sehr strikt. Meine künstlerischen Arbeiten passieren in meinem Atelier. Diese Arbeiten passieren, weil sie es müssen - ohne Auftraggeber. Ich arbeite viel mit Fotografie und Text. Das ist natürlich etwas, das von meinem Beruf als Grafikdesignerin herrührt. Meine künstlerischen Arbeiten beeinflussen meinen Job als Grafikdesignerin insofern, dass ich vielleicht in anderen Wegen denke. Ich überlege mir für Kunden eher mutige, unkonventionelle Umsetzungen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie sieht Deine künstlerische Handschrift aus?
Eveline Rabold: Zu meinem Stil in meinen künstlerischen Arbeiten gehört sicher, dass ich sehr oft mit typografischen Elementen arbeite.

Kreativwirtschaft Burgenland: Und in Deinem Job als Grafikdesignerin? Welchen Stil verfolgst du hier?
Eveline Rabold: Schwierig zu sagen. Als Grafikdesignerin ist es wichtig, für das Unternehmen zu denken. Wenn man erkennen würde, dass alle Arbeiten von ein und derselben Hand gemacht wurden, wäre das meiner Meinung nach verkehrt.

Kreativwirtschaft Burgenland: Netzwerken - das Businesswort des 21 Jahrhunderts. Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk in Deinem Berufsfeld?
Eveline Rabold: Es wäre sehr wichtig. Was ich sehr spannend finde, ist der Austausch unter Kollegen. Den gibt es aber de facto kaum, da ist das Konkurrenzdenken einfach zu groß. Netzwerken in dieser Branche ist schwierig.

Kreativwirtschaft Burgenland: Als Grafikerin arbeitet man mit vielen Institutionen zusammen. Wie sehen solche Projektgemeinschaften aus?
Eveline Rabold: Nachdem Projekte immer umfangreicher werden, braucht man für diverse Dinge dann Spezialisten bzw. Leute, die das bestehende Team ergänzen. Ich habe diese Leute in meinem Netzwerk und kann auf sie zurückgreifen. So hat der Kunde nur mich als Ansprechpartner. Für ihn soll es ja so simpel wie möglich ablaufen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie wichtig ist Deiner Meinung nach Kreativität in der Wirtschaft?
Eveline Rabold: Kreativität ist ein wichtiger Faktor in jedem Unternehmen. Diese äußert sich ja nicht nur in optischen Umsetzungen. Ich denke, jedes gut funktionierende Unternehmen hat irgendwann einmal eine sehr kreative und innovative Idee gehabt. Und an diesen Ideen, Produkten oder Dienstleistungen muss man dran bleiben, um sie und auch das Unternehmen ständig weiter zu entwickeln.

Kreativwirtschaft Burgenland: Künstler gibt es viele, Grafiker noch viel mehr. Was zeichnet Dich und Deine Arbeiten aus? 
Eveline Rabold: Was generell eine gute Arbeit im Bereich Grafikdesign auszeichnet ist die Idee hinter der Arbeit und eine große handwerkliche Qualität. Und da unterscheiden sich dann schon die Grafiker von den Grafikern. Ich finde es unglaublich schade, dass der Gewerbeschein Grafikdesign ein freier Gewerbeschein ist. Den kann sich jeder kaufen. Es müsste meiner Meinung nach einen Qualitätsnachweis geben. Jeder andere Handwerker muss auch einen Meisterbrief machen, um ein eigenes Gewerbe anmelden zu können. Warum soll das in der Grafik anders sein?

Kreativwirtschaft Burgenland: Keine Kunst ohne Wirtschaft oder umgekehrt? Wie siehst Du das?
Eveline Rabold: Ich habe das Gefühl, die öffentliche Hand putzt sich etwas an der Wirtschaft ab was die Förderung von Kunst betrifft. Was natürlich auch verständlich ist, da das Geld immer knapper wird. Es wäre schön, wenn sich die Wirtschaft mehr einbinden würde, aber wir wissen alle, dass die letzten Jahre für viele Betriebe nicht sehr einfach waren. Die haben dann sicher andere Sorgen als Kunst zu sponsern. Aus werbetechnischer Sicht, könnte ich es vielen Unternehmen empfehlen, Kunstprojekte zu unterstützen, da man damit sehr gut Image transportieren kann.

Kreativwirtschaft Burgenland: Du bist nicht nur als Grafikdesignerin und Bildende Künstlerin tätig sondern auch als Sängerin und Darstellerin auf der Bühne. Wie kam es dazu?
Eveline Rabold: Diese künstlerische Seite in mir war früher da als die bildende Kunst. Ich singe seit ich 12 bin und habe eine Ausbildung am Konservatorium Graz absolviert. Ein gewisses Rhythmusgefühl schlägt sich um auf einen gestalterischen Rhythmus. Wenn ich Texte formuliere, dann schau ich immer, welchen Rhythmus diese haben. Ein guter Slogan braucht einfach einen Rhythmus, sonst hängt er. Dabei kommt mir meine Gesangsausbildung sehr entgegen. Ein gewisses Spannungsgefühl braucht man in allen drei Bereichen. Man muss den Mut für leere Flächen oder Pausen haben, um andere Dinge zur Geltung zu bringen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Kunst-Grafik oder die Bühne - was ist Eveline Rabolds Favorit?
Eveline Rabold: Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Das Eine bedingt das Andere. Ich kann unglaublich viel Energie von einem Bühnenauftritt mitnehmen, die dann in meine grafische Arbeit einfließt und umgekehrt. Das finde ich spannend.

Kreativwirtschaft Burgenland: Deine für Dich wichtigste Arbeit war welche?
Eveline Rabold: Im Kunstbereich war das definitiv eine Installationsarbeit zum Thema „70 Jahre Anschluss" im Oberwarter Stadtpark. Das war eine sehr intensive und berührende Arbeit. Die Umsetzung erfüllt mich noch heute mit Stolz.

Kreativwirtschaft Burgenland: Welche berufliche Herausforderung hat Dich bislang noch nicht gefunden?
Eveline Rabold:  Jeder neue Auftrag ist auch eine neue Herausforderung. Wünschen würde ich mir aber mehr Projekte, bei denen man sehr vielschichtig denken muss bzw. auch kann.

Zu Eveline Rabold: Schön mutig ist sie, die 37jährige Eveline Rabold. Geboren in Graz, aufgewachsen in Güssing lebt die Grafik- und Webdesignerin heute in Litzelsdorf im Bezirk Oberwart. 2008 gründete die Südburgenländerin Rabold und Co. - eine Agentur für Kommunikation und Design. Unter dem Credo „Schön mutig ist, wer das Risiko abschätzt und trotzdem etwas macht" zeigt Rabold wie couragierte Werbung hierzulande aussieht. Mit ihren künstlerischen Arbeiten zeigt sie vor allem eines: das Vielseitigkeit ihren Weg in der Kunst findet - und umgekehrt. Für „Das Märchen der Musik" erhielt Eveline Rabold den Landespreis für künstlerische Grafik und diverse Auszeichnungen für ihre Werbearbeiten als Grafikdesignerin. Rabold ist außerdem in zahlreichen Produktionen als Sängerin und Darstellerin auf der Bühne erfolgreich. Sie absolvierte eine Gesangsausbildung am Johann Josef Fux Konservatorium und begeisterte in Hauptrollen in Musical - und Rockopernproduktionen. Ihre Blues-Stimme ist heute genauso unverkennbar wie ihre grafische und künstlerische Handschrift. http://www.evelinerabold.at/ & http://www.rabold.at/

Das Interview führte die Journalistin Vanessa Bruckner (Foto unten). Das Interview kann auch als PDF heruntergeladen werden. Ein Teil des Interviews wird im Rahmen einer Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erscheinen.

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 Vanessa Bruckner Vanessa Bruckner
Journalistin und Fotografin