Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

„Das größte Potential der Burgenländer ist der Burgenländer!“

Georg Hoanzl und Bundesministerin Claudia Schmied © lichtstark.comGeorg Hoanzl © Vanessa BrucknerViktor Gernot, Michael Niavarani und Georg Hoanzl (v.l.) © lichtstark.com

Georg Hoanzl ist der Mann, dem die Kabarettisten vertrauen anstatt ihn auf die Schaufel zu nehmen. Er schuf mit seinem gleichnamigen Unternehmen eine vollkommen neue Branche. Dabei war jahrelang nicht einmal klar, ob es das „so überhaupt geben kann." Hat funktioniert. Genauso wie Nischen in Nischen zu entwickeln und mit selbstverliebten Klischees erfolgreich zu werden. Hoanzl eben.

Kreativwirtschaft Burgenland (KWB): Wer ist Georg Hoanzl und was ist „Hoanzl"?
Georg Hoanzl: Georg Hoanzl ist männlich, irgendwo zwischen Geburt und Tod und sehr dankbar  für das Leben, das er leben darf. Die Firma HOANZL besteht wiederum aus zwei Firmen. Der Ursprung war und ist nach wie vor die Künstleragentur, die gibt es seit 25 Jahren. Hier unterstützen wir österreichische Kabarettisten wie Josef Hader, Andreas Vitásek, Stermann und Grissemann oder Gernot Kulis. Und dann gibt es Künstler aus dem Ausland wie beispielsweise Michael Mittermeier mit denen wir in Österreich als Veranstalter zusammenarbeiten.

KWB: Wie kam es, dass du heute eine Künstleragentur hast, die deinen Namen trägt?
Hoanzl: Ich bin im Dialekt aufgewachsen, kein Wunder wenn man in Kukmirn groß wird. Geschichten wurden damals noch mündlich weitererzählt und da steh ich heute noch darauf, auf Menschen die gute Geschichten erzählen aber auch erfinden können und das auch noch im Dialekt. Und das ist es, der Dialekt, die Umgangssprache, was viele Menschen anspricht. Gescheite Inhalte auf humorvolle Art und Weise weitererzählen, das beherrschen die Künstler, die bei Hoanzl unter Vertrag sind, perfekt. Humor ist für mich eine der schönsten Gefühlsregungen, die Menschen haben können. Es ist also kein Zufall, was ich beruflich mache (schmunzelt).

KWB: Wie wird „Mann zu dem Mann" dem die Kabarettisten vertrauen anstatt ihn auf die Schaufel zu nehmen?
Hoanzl: Das tun sie trotzdem, aber nur privat (lacht). Ich bin ihnen ein wirklicher Freund, der auch im Geschäftsleben weiterhilft. Die teils jahrzehntelange Zusammenarbeit mit manchen Künstlern schweißt natürlich auch privat zusammen.

KWB: Deine Geschäfte laufen gut. Profitiert man in so einer Branche vielleicht als einer der wenigen von der Wirtschaftskrise?
Hoanzl: Der Schwung, der momentan im Live-Bereich drinnen ist, überrascht auch mich. Das hat wohl damit zu tun, dass die Leute den Künstlern, die wir unterstützen, glauben. Die Sichtweise unserer Künstler ist eben eine authentische, keine von den Medien oder Politik geschaffene. Die Menschen erleben in unsicheren Zeiten gerne Lagerfeueratmosphäre. Das macht den Live-Bereich aus.  

KWB: Im Live-Bereich deines Unternehmens bemerkst du die „Krise" also nicht. Wie sieht es mit deiner anderen Firma aus? Die ist ja im medialen Bereich tätig.
Hoanzl: Hier spüre ich sie schon, obwohl wir ja nicht von einer richtigen Krise sprechen können. Sagen wir so: Ich erlebe die Vorwegnahme der Krise in Handlungen von Großkunden von uns.

KWB: Wie viele Mitarbeiter hast du derzeit?
Hoanzl: Fast 60 an der Zahl. Firmensitz ist übrigens auch hier, in Neustift bei Stadtschlaining, wo ich auch mit meiner Familie lebe. Wenn ich konzentriert arbeiten will, auch konzentriert mit den Künstlern zusammenarbeiten will und das weit weg von der Hektik der Großstadt, dann arbeite ich von zuhause aus. Ich bin hier einfach nicht so eingeengt wie in Wien.

KWB: Wie schwierig ist es, mit dem was du machst auch im Burgenland Erfolg zu haben?
Hoanzl: In Österreich gibt es 8 Millionen Menschen. Für einen Medienmarkt, in dem ich tätig bin, ist das nichts. Man nehme nur Deutschland zum Vergleich her. Ich habe die gleichen Grundkosten wie ein deutscher Produzent nur, dass der eben einen elf Mal größeren Markt zur Verfügung hat. Österreich ist also im meinem Bereich eine absolute Nische und das Burgenland ist eine „wunderschöne noch größere Nische innerhalb der bereits bestehenden Nische". Ich hätte meine Agentur wirtschaftlich gesehen nicht ausschließlich im Burgenland betreiben können, das hätte nie funktioniert. Aber trotzdem kann ich das, was ich mache, eben machen, weil ich Burgenländer bin. Diese dörfliche Gemütsstruktur, in der man im Burgenland aufwächst, hat mir beruflich viele Türen geöffnet. Da versteht man sich einfach schneller und besser untereinander.

KWB: Woran fehlt es deiner Meinung nach im Kunst- und Kulturbereich des Burgenlandes?
Hoanzl: Also, ich sehe das eher umgekehrt. Ich wundere mich immer wieder aufs Neue, was das Burgenland in den letzten zwanzig Jahren an kultureller Entwicklung durchgemacht hat, wie es gewachsen ist. Natürlich wünscht man sich oft noch mehr, aber ich weiß, wie viele Themen beispielsweise in Wien oder Graz schon schwer umzusetzen sind. Ich finde es großartig, was man im Burgenland weitergebracht hat -  in diesem Umfeld und mit diesen Möglichkeiten.

KWB: Du schätzt das Burgenland sehr...
Hoanzl: Das größte Potential der Burgenländer ist der Burgenländer und die Burgenländerin. Wer bei mir in Wien in die Agentur reinkommt und Burgenländer ist, ist schon fast angestellt. Das ist so ein running gag bei uns. Der Burgenländer ist offen, herzlich und vor allem nicht gleich „kniawach". Er hat eine andere Urkraft. Das sind jetzt natürlich Klischees, ich weiß. Aber mir gefallen diese Klischees und ich bin recht erfolgreich mit dieser verliebten Ansicht des Burgenlandes.

KWB. Bereits sechs Jahre nach der Firmengründung deines Medienunternehmens hast du die Dachmarke „Best of Kabarett" herausgegeben. Wie schwierig war der wirtschaftliche Weg dahin?
Hoanzl: Kreativität heißt für mich, ideellen Werten in einer materiellen Welt eine Bedeutung zu geben. Ich sehe Sinn dahinter Menschen zu fördern, die über die Welt nachdenken und uns die Möglichkeit bieten, darüber auch zu lachen. Der Weg zu meiner eigenen Agentur war kein einfacher. Das sollte man auf diesem Weg einmal all jenen erzählen, die gerade dabei sind eine Firma zu gründen. Sieben Jahre lang habe ich mich von einer Telefonrechnung zur nächsten gehantelt. Jahrelang war ja nicht einmal klar ob das, was ich mache, überhaupt ein Beruf ist. Am Anfang habe ich eben einzelne Künstler wie Hader oder Vitásek unterstützt und dann habe ich Überbegriffe geschaffen. Jeder Künstler hat eine Medienkarriere. Der freie Markt neigt dazu, sich eine zeitlang auf einen einzigen Künstler zu stürzen und alle anderen dabei zu vergessen. Wir haben alle Medienprodukte der Kabarettisten mit der Überschrift „Best of Kabarett" versehen und unter dieser Überschrift sind alle gleichwertig hervorgehoben. Daraus ist wiederum dann das Projekt „Österreichischer Film" entstanden, eine Filmedition, die europaweit einzigartig ist.

KWB: Und wie kam es dazu?
Hoanzl: Über ein Problem. Der österreichische Film „Siebtelbauern" zog damals 30.000 Menschen ins Kino. Es wurden aber nur 400 Videos verkauft. Da war ich todtraurig darüber und dachte: Das gibt es doch nicht, da muss man einen Rahmen schaffen. Und dann fielen mir die Reclam Hefte ein und über diese Idee bin ich das Projekt angegangen. Ich will damit etwas uns Bedeutsames aus der Anonymität der Masse herausheben und einem breiten Publikum zugänglich machen. Das Regionale sollte in einer globalen Welt, die sicher viele Vorteile hat, trotzdem immer bestehen bleiben. Der regionale Kulturraum ist mit irre viel internationalen Angeboten vollgestopft. Ich bin aber der Meinung, dass das Regionale das Reale und Unmittelbare ist. Dieser Gedanke ist in der Gastronomie schon angekommen und wird von den Leuten wertgeschätzt. Für die Kultur wünsche ich mir dasselbe - daran arbeite ich!

Zu Georg Hoanzl: Um sein eigenes kulturelles Erleben zu erweitern, hat sich Georg Hoanzl bereits während seiner Schulzeit in verschiedensten Kulturvereinen engagiert. Als Schulsprecher organisierte er Konzerttourneen und Kinovorführungen quer durch Österreich. 1991 gründete er die Künstleragentur „Georg Hoanzl GmbH". Sieben Jahre lang war Georg Hoanzl als „one man show" tätig und organisierte Veranstaltungen von Josef Hader und Andreas Vitásek.  1995 wurde die erste CD produziert, 1997 gelang die Etablierung der Marke „Best of Kabarett" im Tonträgerhandel. Um die Kabarett-Produktion aus der Abseitsstellung hervorzuheben, entwickelte Hoanzl die erste Dachmarke „Best of Kabarett". 2011 lief die DVD Produktion an. Mit dem 2006 entwickelten Projekt „Der österreichische Film - Edition Der Standard" gelang es Georg Hoanzl und seinem Team den Österreichischen Film erfolgreich zu bewerben und im Handel zu platzieren. Über 1 Million verkaufte Einheiten sprechen für sich.

Das Interview führte die Journalistin Vanessa Bruckner (Foto unten) und kann auch als PDF heruntergeladen werden. Ein Teil des Interviews wird im Rahmen einer Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erscheinen.

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 Vanessa Bruckner Vanessa Bruckner
Journalistin und Fotografin