Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

„Tanzen ist ein Menschenrecht“

Liz King © Vanessa BrucknerLiz King © Vanessa BrucknerLiz King © Vanessa Bruckner

Noch immer stielt sie ihren jüngeren Kolleginnen mit links die Show. Kein Wunder, wenn man einst über die großen Bühnen der Welt wirbelte. Die Tänzerin Liz King erklärt, wie man sich selbst und gleichzeitig die heimische Wirtschaft bewegt - auf moderne und vor allem ausdrucksstarke Weise.

Kreativwirtschaft Burgenland: Ich nehme an, Sie tanzen schon ihr Leben lang? Wann hat ihre Ausbildung begonnen, mit drei Jahren, vier?!
Liz King: Aber nein! Das ist ein Irrtum dem hierzulande viele Leute Glauben schenken. Es gibt hier ja Ballettschulen, wo die ganz kleinen Kinder schon herumhüpfen, aber das hat noch nichts mit einer Profiausbildung zu tun. Ich bin mit 11 Jahren nach London gegangen und habe erst dann mit einer intensiven Ausbildung begonnen. Mit 16 bekam ich schließlich ein Stipendium für die Royal Ballet School. In Summe habe ich acht Jahre harte Ausbildung hinter mir. Eine klassische Ballettausbildung findet zwischen 10 und 18 Jahren statt und startet nicht, wie viele denken, schon mit zwei oder drei Jahren. In diesem frühen Alter würde ein professionelles Training mehr Schaden anrichten als Talent fördern.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie schaffen Sie es Ihr Tanzstudio D.ID in Pinkafeld, also am Land wo der moderne Tanz ja nicht einen so hohen Stellenwert hat, am Leben zu erhalten?
King: D.ID ist kein Tanzstudio im klassischen Sinne sondern ein Dance Ressource Center. Dieses Projekt wird von Bund und Land mit Subventionen gefördert. Internationale Tänzerinnen und Tänzer kommen in mein Studio, um hier zu trainieren, vorrangig natürlich im Bereich zeitgenössischer Tanz. Man beschäftigt sich mit Fragen wie „was bedeutet der Tanz heute" oder „wie kann diese Ausdrucksform soziologisch genutzt und eingebunden werden". Zeitgenössischer Tanz ist nicht nur Tanz an sich, also Bewegung, sondern beschäftigt sich auch mit gesellschaftlichen Fragen, setzt sich damit auseinander. Es geht dabei nicht vorrangig darum hübsche Tanzstücke zu performen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie schwierig war es für Sie ihr Tanzstudio durchzusetzen, Subventionen dafür zu bekommen?
King: Gott sei Dank hat es mir das Land Burgenland leicht gemacht und mich sehr unterstützt. Man hat mich sogar animiert dazu ein neues Projekt zu starten nachdem ich meine Arbeit an der Volksoper Wien beendet hatte. Ich wollte unbedingt auch mit einheimischen Menschen arbeiten. Zuerst gab es eine Zusammenarbeit mit dem Offenen Haus Oberwart. Bald schon war klar, dass ich ein eigenes Studio brauche um meine Projekte weiterhin verwirklichen zu können. Das habe ich schließlich hier in Pinkafeld gefunden. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich in meiner Branche nicht hart darum kämpfen meine Tanzprojekte verwirklichen zu können, dafür bin ich den Verantwortlichen von Land und Bund noch heute dankbar:

Kreativwirtschaft Burgenland: Ihre Antwort lässt darauf schließen, dass es früher nicht immer leicht war, sein Geld mit dem Tanzen zu verdienen?!
King: Bei Gott, nein! Vor allem in der Volksoper in Wien gab es oft Auseinandersetzungen mit dem damaligen Generalsekretär Ion Holender. Er hatte nicht viel übrig für zeitgenössisches Ballett und das wir damit so einen Erfolg hatten, hat ihn noch mehr irritiert. Ich war der Operettenwelt ein ordentlicher Dorn im Auge (schmunzelt).

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie lange haben Sie eigentlich selbst aktiv getanzt, Frau King?
King: Oh, ich tanze immer noch! Aktuell ein Solo das sich „Your dancer" nennt, eine Choreografie von Georg Blaschke. Letztes Jahr habe ich es unter anderem in Tel Aviv aufgeführt. Das Stück wird jetzt auch wieder in Österreich gezeigt. Leistung ist nicht alles, warum sollten Tänzer nicht wie Schauspieler oder Musiker auch in höherem Alter noch auf der Bühne stehen dürfen? Dieses Solo-Stück beweist, wie toll es auch in meinem Alter noch sein und aussehen kann, auf der Bühne zu tanzen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Sie sind 65 Jahre alt. Spielt der Körper da überhaupt noch mit oder geht man mit Schmerzen von der Bühne?
King: Nein, keine Schmerzen. Ich mache täglich Yoga hier im Tanzstudio mit einer einheimischen Gruppe. Ich bin noch immer sehr biegsam und beweglich (lacht).

Kreativwirtschaft Burgenland: Was geben Sie Ihrer Meinung nach der heimischen Wirtschaft mit Ihrem Tanzstudio zurück?
King: Die internationalen Tänzerinnen und Tänzer, die hierher nach Pinkafeld kommen, müssen ja auch irgendwo schlafen und essen. Natürlich ist es das auch ein wirtschaftlicher Impuls. Kürzlich haben wir zum Beispiel einen Teil der letzten Tanztage in die Halle der Firma Schachnerpack in Pinkafeld verlegt. Es war fantastisch, viele Leute aus Wirtschaft und Politik waren vertreten und Schachnerpack war durch dieses Event in aller Munde. Der Pinkafelder Bürgermeister hat bei diesem Anlass auch bekundet, wie sehr die Tänzer aus den verschiedensten Nationen die Stadt beleben.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was stand am Programm der diesjährigen Tanztage?
King: Wie jedes Jahr zeigten die Tänzerinnen und Tänzer, die hier in meinem Studio waren, das Ergebnis ihrer harten Arbeit. Außerdem gibt es auch Projekte mit heimischen Schulen wie der HBLA Oberwart. Weiters zeigten zwei junge Mädchen aus Pinkafeld, die bei mir Ballettunterricht nehmen, was sie gelernt haben. Nicht zu vergessen die Bodyfocus-Gruppe mit der ich seit zwei Jahren arbeite. Die Tanztage sind also ein bunter Mix bei dem Profis und Amateure, internationale Künstler und Einheimische ihr Können zeigen. Die Profis waren in diesem Jahr übrigens begeistert vom hohen Niveau der Darbietungen der Leute aus der Region!

Kreativwirtschaft Burgenland: Welchen Stellenwert hat der Tanz überhaupt im Burgenland?
Zu Liz King: Einen sehr guten, würde ich sagen. Tanzen ist für mich ein Menschenrecht und Gott sei Dank sehr präsent bei den Menschen hier. Das Burgenland ist nach wie vor eine Mischkultur. Ob Ungarn oder Kroatien - jedes Land hat seine eigenen Tänze und im Burgenland sind sie alle präsent. Es gibt sehr, sehr viele tolle Volkstanzgruppen bei uns. Im Bereich des zeitgenössischen Tanzes steigt die Nachfrage hier aber auch stetig, vor allem in den Schulen. Tanz, aber auch Bodywork sind beliebt, was mich natürlich sehr freut. Das wesentliche an unserer Arbeit ist „dealing with your body"  zu vermitteln - also den Körper akzeptieren lernen, wie er eben ist. Wer als junger Mensch mit Bewegung beginnt, bleibt ein Leben lang in Bewegung. Was gibt es gesünderes und vor allem, schöneres?!?

Zur Person: Die gebürtige Engländerin wurde 1947 in Salisbury geboren. Mit elf Jahren besuchte Liz King die Royal Ballet School in London und absolvierte dort ihre Tanzausbildung. Ihr erstes Engagement hatte die Tänzerin im Stuttgarter Ballett unter John Cranko. 1982 siedelte King nach Wien und war eine der Mitbegründerinnen des Tanztheater Wien. 1989 übernimmt sie die Leitung des Heidelberger Balletts, welches sie sieben Jahre lang führt. Zehn Jahre später wird Liz King eingeladen, das Ballett der Volksoper Wien in eine zeitgenössische Ausrichtung zu führen. Ihr Stück „Schwanensee Remixed" wurde über 50 Mal vor ausverkauftem Haus aufgeführt. 2006 gründet die Tänzerin von Welt gemeinsam mit dem gebürtigen Riedlingsdorfer Manfred Biskup D.ID/Dance Identity, das burgenländische Zentrum für zeitgenössischen Tanz in Pinkafeld. Sie ist es auch, die die Burgenländischen Tanztage ins Leben ruft welche heuer bereits zum siebten Mal stattgefunden haben.

Die Fotos und das Interview stammen von der Journalistin Vanessa Bruckner (Foto unten).

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 Vanessa Bruckner Vanessa Bruckner
Journalistin und Fotografin