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im Rahmen eines Innovationsvorhabens.
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Wie man etwas richtig in Szene setzt ...

Alexandra Maringer © Doris SeebacherAlexandra Maringer © Doris SeebacherAlexandra Maringer © Doris SeebacherAlexandra Maringer © Doris SeebacherAlexandra Maringer © Doris SeebacherAlexandra Maringer © Doris Seebacher

Alexandra Maringer erzählt, wie sie vom Architekturstudium zum Job als Szenographin kam und warum es so wichtig ist, dass ein Filmset nicht aussieht wie aus dem aktuellen IKEA-Katalog.

Kreativwirtschaft Burgenland (KWB): Frau Maringer, wie wird man Szenographin?
Alexandra Maringer: In Österreich gibt es keine Ausbildung dafür, also learning by doing. Bereits während des Architekturstudiums begann ich als Assistentin bei donmartin supersets zu arbeiten, zwei Jahre später kreierte ich mein erstes Szenenbild für Virgil Widrichs Film „Heller als der Mond“. 

KWB: Wie darf man sich Ihren Job nun genau vorstellen?
Maringer: In der Szenographie geht es darum, einen Raum herzustellen, um damit eine Geschichte zu erzählen oder Inhalte zu transportieren – das kann ein Messestand sein, ein Raum für ein Event, eine Ausstellung, ein Bühnenbild oder aber - und das ist momentan mein Hauptgebiet - das Szenenbild für einen Film zu erstellen. Dafür bekomme ich ein Drehbuch vorgelegt, und ich überlege mir, wie die Welt zu diesem Film aussehen könnte.
 
KWB: Das heißt, Sie liefern die Ideen und diese werden dann „gebaut“?
Maringer: Ja und nein. Es geht immer darum, einen Drehort auf die für alle günstigste Weise herzustellen: Sooft es geht, dreht man an existierenden Orten, die ich für die Geschichte adaptiere. Aber manchmal ist es aus organisationstechnischen Gründen billiger, ein Set im Studio zu bauen, als es zuerst wochenlang zu suchen, und dann für ein paar Wochen zu mieten. 

KWB:
Kümmern Sie sich dabei nur um Innenräume?
Maringer: Nein, ich kümmere mich um die Gesamtstimmung dieser Filmwelt, die richtige Gegend, die richtigen Straßenzüge. Es geht darum, dass Filmfiguren an manchen Orten zuhause sind, oder an anderen als Eindringlinge wirken. Je nachdem muss ich auch darauf achten, Dinge „high glossy“ oder „unsauber“ zu machen, manches Set muss beispielsweise schon 30 Jahre alt aussehen und darf nicht ausschauen wie frisch von Ikea. 

KWB:
Wie gehen Sie dann an die Sache heran?
Maringer: Man muss sich in jede Geschichte aufs Neue einarbeiten: Die Wohnung einer alleinerziehenden Mutter aus sehr gutem Hause wird anders aussehen als die Wohnung einer alleinstehenden Mutter aus ärmlichen Verhältnissen. Ich muss also recherchieren, ich lese mich ein, schaue Bildbände an, ich gehe ins Museum oder eben in Wohnungen von den Müttern. Meine Aufgabe ist es auch, auf kleinste Details zu achten, ob eine Tischdecke faltig ist oder nicht, oder zu entscheiden, ob eine Filmfigur aus Kristall- oder Billiggläsern trinkt.

KWB: Was macht jetzt einen perfekten Film aus? Können Sie überhaupt entspannt einen Film ansehen, ohne nicht immer Fehler zu entdecken?
Maringer: In einem Film muss die Raumgestaltung subtil im Hintergrund stehen, quasi die Geschichte tragen. Wenn alles passt, kann der Zuschauer voll in den Film eintauchen, er nimmt aber unbewusst wahr, wenn etwas nicht stimmt. Wenn er darüber nachdenkt, warum da drei rote Punkte im Hintergrund sind, hat der Film ein Problem. Das kann passieren, wenn der Film fad ist, oder die Bilder uninteressant, Schauspieler nicht gut sind, oder das Szenenbild nicht funktioniert. 

KWB:
Haben Sie auch schon im Burgenland gedreht?
Maringer: Bei „Heller als der Mond“ und „Knochenmann“ gab es einige Drehorte im Burgenland, aber leider gibt es hier keine regionale Filmförderung wie in der Steiermark, in Tirol oder in Niederösterreich. Ich darf oft gar nicht anderswo nach Motiven suchen als in eben jenen Bundesländern. 

KWB:
Das heißt, wenn das Burgenland eine gute Filmförderung hätte, dann hätten Sie auch das Mitspracherecht, dort Drehorte auszusuchen?
Maringer: Ja, auf jeden Fall.

KWB: Sie verbringen etwa die Hälfte des Jahres in Paris. Vermissen Sie das Burgenland nicht?
Maringer: Ja doch, wenn mich jemand fragt, wo ich herkomme, dann sag ich immer stolz „Ich bin eine Burgenländerin“. Die Burgenländer sind ein feinfühliger und intelligenter Menschenschlag, und die gezielte EU-Förderungen sowie sanfter Tourismus haben sicher dazu beigetragen, dass sie ein weltoffenes und liebenswertes Volk geblieben sind.

KWB:
Derzeit läuft in Wien gerade die Ausstellung „Hands-On Urbanism 1850-2012“, wo es um das „Recht auf Grün“ in der Stadt geht. Wie haben Sie hier mitgewirkt?
Maringer: Als Szenographin ist es meine Aufgabe, die Inhalte einer Ausstellung für Besucher zugänglich zu machen. Für diese Ausstellung waren drei Themen von großer Wichtigkeit: „Urbanität“, „Grün“ und „intelligente Ressourcennutzung“. Urbanität erzeugte ich durch ein Raster aus Licht und Baustellengitter. Die MA 48 der Stadt Wien gab uns Blumenerde sowie Altholz für die Sitzwürfel, die MA 42 leiht uns Pflanzen, und zwei PET-Flaschenfirmen schenkten uns Leergut für Pflanzengefäße. Ich nutzte bewusst vorhandene Netzwerke und Organisationstrukturen sowie Materialien, die es schon gibt. 

KWB:
Braucht es immer so viel zusätzliche Inszenierung? Müssen die Leute immer mit Zusatzangeboten „bespaßt“ werden?
Maringer: Es geht nicht um Spaß- und Action-Architektur, im Gegenteil. Es ist wichtig, den Inhalt zu verstärken und ihm einen Rahmen zu geben, der sich nicht aufdrängt. Ein unscheinbarer Messestand lässt eine Firma auf der Messe total untergehen, auch wenn sie die tollsten Produkte präsentiert. Bei anderen, die mit vielen Blinkerlichtern agieren, können wiederum die Inhalte untergehen.

KWB: Was ist Ihr nächstes Projekt?
Maringer: Ein Horrorfilm von Marvin Kren mit dem Arbeitstitel „Gletscherblut“. Das wird total spannend, weil ich dafür eine komplette Gletscherforschungsstation – innen und außen – entwerfe und bauen lasse. Wo genau das sein wird, das hängt noch von der lokalen Filmförderung ab. Wahrscheinlich in Südtirol.

Zu Alexandra Maringer: Geboren 1973, aufgewachsen in Pinkafeld, begann Alexandra Maringer nach der Matura am Gymnasium Oberschützen ihr Architekturstudium in Wien. Bereits während des Studiums bekam sie ein Praktikum bei Bühnen- & Szenenbildnern. Die Szenographie – die Gestaltung von Raum, um damit Geschichten zu erzählen - ist nun zu ihrem Hauptaufgabengebiet geworden. Maringer wirkte in bekannten Filmen wie „Der Knochenmann“, „Kebab mit Alles“ oder in Elisabeth Scharangs Film „Vielleicht in einem anderen Leben“ mit, für den sie heuer sogar für den Österreichischen Filmpreis für „Bestes Szenenbild“ nominiert wurde. Momentan läuft die von ihr gestaltete Ausstellung „Hands-on Urbanism“ im Architekturzentrum Wien. Der Liebe wegen lebt Maringer heute in Paris, der Arbeit wegen verbringt sie etwa die Hälfte des Jahres in Österreich.

Kontaktadresse: e-mail: alexandra@maringorama.com, www.maringorama.com

Die Fotos und das Interview stammen von der Journalistin Doris Seebacher (Foto unten). Ein Teil des Interviews ist im Rahmen einer Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erschienen.

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 Doris Seebacher Doris Seebacher
Journalistin und Fotografin

http://www.seebacherdoris.at