Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

Von Hühnern und „Maxln“

Doris Schamp © Doris SeebacherDoris Schamp © Doris SeebacherDoris Schamp © Doris SeebacherDoris Schamp © Doris Seebacher

Die Oberpullendorferin Doris Schamp erzählt, wie es zu ihren ersten Figuren kam, warum diese „Maxln“ vorzugsweise Hühner sind und was man in Zukunft noch alles von ihr erwarten darf.

Kreativwirtschaft: Wann haben Sie das erste Mal bemerkt, dass Sie gerne zeichnen?
Doris Schamp: Das war mit 13. Ich war in einer Salvador Dali Ausstellung in Venedig und von da an war fix, dass ich Kunst studieren werde. Erste Anzeichen gab es aber bereits in der Volksschule. Bei den Rechnungen habe ich den Summenstrich mit kunstvollen Abschlussrändern verziert, was meiner Lehrerin nicht besonders gefiel.

KWB: Sie haben an der Angewandten studiert. Wie kommt man dort zum Cartoon zeichnen?
Schamp: Ein Lehrender, Robert Swoboda, hat mich in die richtige Richtung „geschubst“. Für mich war das damals aber nichts Ernstes, ich sah das eher nur als „Maxln zeichnen“. Auf sein Anraten, konzentrierte ich mich dann mehr darauf.

KWB: Was waren dann Ihre ersten Charaktere?
Schamp: Das waren Hühner. Ich wollte keine Menschen zeichnen, sondern Tiere, die menschliches tun. Ich habe dann karteimäßig geschaut, welche Tiere von Natur aus komisch sind. Ein Pferd wäre schwierig gewesen. Ein Huhn hingegen ist einfach zu reduzieren.

KWB: Woher kommen die lustigen Ideen zu Ihren Cartoons?
Schamp: Ich habe das Glück, eine gute Portion Humor von meinem Großvater geerbt zu haben. Durch meine Cartoons lebt er für mich weiter. Außerdem braucht man sprachliche Begabung, eine skurrile Denkweise und ein gutes Beobachtungsvermögen. Es gibt Zeiten, da fallen mir innerhalb von zwei Tagen 20 Cartoons ein und dann wiederum tagelang kein einziges.

KWB: Was sind das für Tage?
Schamp: Tage, an denen ich viele Einflüsse von außen bekomme. Ich muss schon in einer bestimmten Stimmung sein um produktiv zu werden. Die Ideen kommen nicht einfach so, das ist ein aktiver, konzentrierter Denkprozess.

KWB: Gibt es irgendwelche Regeln, nach denen die Cartoons aufgebaut sind?
Schamp: Es gibt Regeln und Kniffe, wie man einen Gag aufbauen kann. Beispiel: Du würfelst dir als Protagonisten eine Unterhaltung zwischen einem Goldfisch und einer Großmutter zusammen. Das alleine ist schon skurril, weil es nie stattfinden kann. Dann beschäftigt sich die Großmutter mit Fußball, man kreiert einfach unnatürliche Situationen, und versucht, Gemeinsamkeiten zu finden oder Gegensätze, oder total Abstruses, was die beiden wieder verbindet.

KWB: Und wie begann es dann mit Ihrer Karriere?
Schamp: Ich schickte zehn Zeichnungen ans Karikaturenmuseum nach Krems, um mich vorzustellen. Glücklicherweise hat man mich für eine Ausstellung zum Thema „Tierisch komisch“ eingeladen. So haben sich die Türen natürlich schneller geöffnet. Die „Caricatura“ in Kassel, einer Galerie für komische Kunst, ist ein weiterer wichtiger Kontakt, der sich bald knüpfte.

KWB: Was wird man in nächster Zeit von Ihnen sehen?
Schamp: Momentan läuft ein Projekt mit dem OHO – dem Offenen Haus Oberwart. Im Rahmen von „Macht-Schule-Theater“, entwickeln wir im Team und gemeinsam mit mehreren Schulen ein Theaterstück. Ich leitete die Schüler an und sie entwickelten Storybords und das Bühnenbild. Die Premiere von „Heros“, so heißt das Theaterstück, findet am 20. April im OHO statt.

KWB: Warum sind Sie aus dem Burgenland weggezogen?
Schamp: Wegen des Studiums. Ich glaube auch, um Weiterzukommen ist einfach zu wenig Markt im Burgenland. Als Künstler muss man, egal woher man stammt, ein wenig umtriebig sein und sich sein Netzwerk aufbauen.

KWB: Haben Sie ein Vorbild? Welche Art von Cartoons möchten Sie gerne zeichnen?
Schamp: Loriot ist einer meiner Lieblinge, Gerhard Haderer hat einen sehr feinen Humor und eine vollendete Technik. Gerry Larson wiederum besticht durch seinen absurden Humor. In Österreich dominiert die politische Karikatur. Ich schaue gerne über den Tellerrand wie beispielsweise nach Deutschland, da gibt es einen viel größeren Markt für Cartoons.

KWB: Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Schamp: Ich verfolge derzeit zwei Schienen: Die eine ist die der klassischen Cartoons mit den Einbildwitzen. Und die andere ist jene in der bildenden Kunst, vermischt mit Comicelementen. Ein großer Wunsch von mir ware es, ein eigenes Cartoonbuch zu veröffentlichen. Dafür braucht man etwa 70 bis 100 verschiedene Vorschläge. Vielleicht werde ich mich aber auch in Richtung Werbung orientieren und nochmal ins Ausland gehen.

Zu Doris Schamp: Doris Schamp, Jahrgang 1983, aufgewachsen in Oberpullendorf, entdeckte bereits mit 13 Jahren bei einer Salvador Dali-Ausstellung, dass sie in ihrem Leben etwas Künstlerisches machen möchte. Nach der Gymnasium-Matura begann sie mit dem Studium „Produkt- und Möbeldesign“ in St. Pölten und wechselte bald nach Wien an die Angewandte. Dort erfasste sie die Liebe zu Cartoons und Comics. Zahlreiche Ausstellungen, wie im Karikaturmuseum in Krems oder bei der „Caricatura“ in Kassel folgten, weiters regelmäßige Veröffentlichungen von Karikaturen in der Raiffeisenzeitung oder im Falter. Ihr letztes Projekt war eine Illustration im Rahmen eines Buches zu Ehren des verstorbenen Künstlers Loriot. Ihr nächstes Projekt ist ein Theaterstück in Oberwart. Derzeit lebt Doris Schamp im Salzburger Pinzgau, wo sie ihr Praktikum zur Kunst- und Zeichenlehrerin absolviert. Kontaktadresse: e-mail: info@dorisschamp.at www.dorisschamp.at

Die Fotos und das Interview stammen von der Journalistin Doris Seebacher (siehe Foto). Ein Teil des Interviews ist im Rahmen einer Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erschienen.

Downloads

zurück

 Doris Seebacher Doris Seebacher
Journalistin und Fotografin

http://www.seebacherdoris.at