Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

Über kunstvolle Tellerränder gucken ….

Petra Lindenbauer © Vanessa BrucknerPetra Lindenbauers Keramiken © Vanessa BrucknerPetra Lindenbauer © Vanessa BrucknerPetra Lindenbauers Keramiken © Vanessa Bruckner

Er ist ihre Lebensaufgabe. Sie liebt ihn heiß, aber an einem kalten Tag kann es schon mal dauern, bis die zwei warm miteinander werden. Petra Lindenbauer und ihr Ton.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie schwierig ist es buchstäblich dem doch harten Material Ton Deine eigene Handschrift aufzudrücken?
Petra Lindenbauer: Meine Arbeiten sind eine Kombination aus Technik, Praxis und Lebensgefühl. Ohne Technik und die nötige Praxis kommst du beim Arbeiten mit Ton nicht weit. Ich kann mir nicht etwas in den Kopf setzen was ich dann unmöglich umsetzen kann. Da gibt es beim Töpfern Grenzen. Dazu kommt natürlich laufend Inspiration von anderen keramischen Arbeiten. Töpfern ist aber auch harte Arbeit. Das sollte auch mal gesagt werden. Viele stellen sich vor, dass ich hier Tag für Tag ganz romantisch in meinem Elfenbeinturm sitze und ganz locker vor mich hin töpfere (schmunzelt).

KWB: Dein Atelier befindet sich in Stadtschlaining. Kannst Du von der regionalen Kundschaft hier leben?
Lindenbauer: Zu Weihnachten hatte ich einen Stand hier im Ort beim Christkindlmarkt aber die breite Masse kann ich nicht glücklich machen. Es ist ein kleiner Kreis der bei mir kauft der aber schon Wellen schlägt. Geschäftlich angenehme Wellen wenn man das so sagen will.

KWB: Wie schwer ist es Dir Anfangs gefallen, Preise für Deine Arbeiten festzusetzen? Verkaufst Du ein Kunstwerk auch mal unter seinem Wert?
Lindenbauer: Ich verschenke gerne. Aber unter Wert verkaufe ich ungern. Ich verkaufe ENTWEDER etwas oder eben nichts. Das ist das Grausame daran. Ich kann meinen Teller nicht billiger verkaufen weil ich meine Stromrechnung zahlen muss, den Ton und die Glasur, die extra aus England importiert wird. Dann wäre da noch meine Sozialversicherung und ... achja, fast vergessen, meine Arbeitszeit (schmunzelt). Ein Teller kostet 34 Euro, das klingt überzogen. Wenn man aber weiß, wie viele Arbeitsschritte nötig sind und wie viele Teile nicht einwandfrei aus dem Brennofen kommen, ist der Preis rein rechnerisch im untersten Bereich angesiedelt. Daraus ergibt sich, dass ich keine Massen produzieren kann, -wie bei einem guten Wein! Ich verstehe, dass man dazu wenig Bezug hat. In dieser Hinsicht ist aber ein Vergleich mit den Weinbauern zulässig: seit es zum Marketing gehört auf „die Arbeit dahinter“ hinzuweisen, hat sich ein Wandel in den Köpfen der Konsumenten vollzogen. Ein guter Wein kann einfach nicht „billig“ sein, das funktioniert nicht. So ist das auch bei meinen Werken.

KWB: Das bedeutet, Du könntest gar keine Großaufträge annehmen?
Lindenbauer: Ich habe kürzlich erst einen an Land gezogen, aber ich habe genug Zeit, den Auftrag auszuführen. Ein Design-Boutique-Hotel will mit meinem Geschirr und Interieur ausgestattet werden. Der Deal kam übrigens durch einen österreichweiten Artikel in einem Magazin zu Stande. Im Westen des Landes haben sich dadurch für mich wieder neue Türen geöffnet. Am anderen Ende Österreichs musste ich mich für meine Preise nicht rechtfertigen, dort scheint meine Arbeit einen anderen Stellenwert zu haben als bei uns im Burgenland. Aber ich verstehe die Leute hier trotzdem auch, die Vergangenheit ist eine andere und demzufolge das heutige Lebensgefühl.

KWB: Du arbeitest ja erst seit wenigen Jahren wieder alleine. Zuvor gab es Dich als Keramikerin nur im Team mit Deinem Mann, richtig?
Lindenbauer: Ja, wir haben über 20 Jahre zusammen gearbeitet, uns auf Heizobjekte aus Ton, Glas und Metall spezialisiert. Natürlich war das Klientel und auch das Arbeiten ganz anders zu dem was ich heute mache.

KWB: Wann kam die Liebe zum Material Ton?
Lindenbauer: Die war immer schon da, so scheint es mir zumindest. Ein spezielles Ereignis gab es da nicht. Ich liebe Ton einfach weil man ihn zwar verändern kann, er trotzdem aber immer eine Eigenständigkeit behält. Man kann viele Dinge nicht damit machen obwohl er so plastisch ist. Du darfst es auf keinen Fall eilig haben wenn du mit Ton arbeitest. Es ist ein schönes Miteinander. Ton lässt viel mit sich machen und macht dabei aber auch viel aus sich selbst, wenn man das so sagen will.

KWB: Die klassische Beziehung zwischen Künstler und Werkzeug also. Dann gibt es aber auch bestimmt Tage, an dem ihr nicht so toll miteinander könnt, oder?
Lindenbauer: Klar! An kalten Tagen, da möchte ich ihn oft nicht angreifen müssen. Da will ich keine nassen, kalte Hände vom Ton bekommen. Bis ich mal anfange dauert es an solchen Tagen ganz schön lange. Das Material ist kalt, draußen ist es kalt. Das kann schon richtig grausam sein (schmunzelt). Im Winter gehen wir zwei, mein Ton und ich, öfter mal auf Distanz. Trotzdem versteh ich ihn immer. Eine ganz normale Beziehung eben.

KWB: Woher beziehst du Deinen Ton und wie lange braucht Keramikerin bis sie „ihren perfekten Ton“ findet?
Lindenbauer: Ich habe mich mittlerweile auf zwei Massen reduziert. Der eine Ton ist ein Westerwälder, er kommt also aus Deutschland. Den dunkleren Ton beziehe ich aus Spanien. Gedauert hat das schon zwei, drei Jahre lang bis ich meinen „künstlerischen Partner“ gefunden habe. Fest steht: seit ich töpfere habe ich mit Sicherheit schon Tonnen von Ton verarbeitet. Den Berg, den tät ich gerne einmal sehen.

KWB: Deine Arbeiten sind Kunst und Kunst liegt ja bekanntlich immer im Auge des Betrachters. Wann ist eines Deiner Kunstwerke auch wirklich ein Kunstwerk in Deinen eigenen Augen? Lindenbauer: Kunst hat eine allgemeine Gültigkeit. Nur weil ich etwas schön finde heißt das noch lange nicht, dass es auch ein gutes Kunstwerk ist. Wenn ich „gschmackige“ Sachen mache verkaufe ich definitiv mehr aber ich selbst bin nur total zufrieden wenn ich ein richtig gutes Stück gefertigt hab. Und ob das Objekt gut ist oder nicht hängt nicht davon ab ob ich es am Ende auch verkaufen kann. Ein gutes Stück von mir erkenne ich daran, dass ich selbst weiß, dass es eine gute Arbeit ist. Es gibt gute Arbeiten die überhaupt nicht gschmackig sind.

KWB: Woran fehlt es Deiner Meinung nach im Kunst- und Kulturbereich des Burgenlandes im Hinblick auf deine Arbeit?
Lindenbauer: Super Frage! Ich finde es nämlich bemerkenswert, dass ich nächste Woche fast fünf Stunden zu meinem Kunden nach Hinterglemm fahren muss aber hier in der Region, wo es von Hotels und Gastro-Betrieben nur so wimmelt, besteht an meinen Arbeiten kein Bedarf bzw. kennt man mich trotz örtlicher Nähe nicht. Wirtschaft und Kunstschaffende hätten gegenseitig viel auszutauschen, es gibt zwar Initiativen, aber keine tatsächliche Vernetzung. Das Potential an kreativen und erfolgreichen Leuten im Burgenland ist generell besonders groß in Relation zur Einwohnerdichte, es wäre logisch und effizient, dieses Potential hier vor Ort zu nutzen. Diese „Vernetzungsarbeit“ kann nicht der Künstler leisten, das könnte von anderer Stelle verhältnismäßig einfach gemanagt werden. In Hinblick auf meine Arbeit, weil Du das ansprichst, könnte ich mein „geschultes Auge“ überall dort arbeiten lassen, wo es um Gestaltung und Interieurfragen geht. Zu einem guten Produkt gehört viel, am Beispiel Restaurant steht an vorderster Stelle natürlich die Qualität der Lebensmittel, dazu spielt das „Rundum“ eine große Rolle. Man könnte leider oft den Eindruck gewinnen, dass die Betreiber von neu eröffneten Gaststätten hierzulande die Bedeutung von Atmosphäre in einem Raum unterschätzen. Das muss unbedingt einem Spezialisten übergeben werden, das kann nicht der Koch können!

KWB: Fakt ist, die Aufträge hierzulande fallen recht spärlich aus. Liegt es deiner Meinung nach am mangelnden Angebot an Spitzenrestaurants oder daran, dass die Wertschätzung lokaler Gastronomen an Deinen Kunstwerken einfach nicht vorhanden ist?
Lindenbauer: Ich spreche keineswegs nur die Spitzengastronomie an, sondern Gaststätten, wo tatsächlich noch gekocht und nicht nur frittiert wird. Gastronomie, besonders im Südburgenland, ist ein spezielles Thema, sie konnte sich bis auf ganz wenige Ausnahmen in den letzten Jahrzehnten anscheinend nicht entwickeln wie in anderen Regionen Österreichs. Man kann hier nicht von „Wirtshauskultur“ sprechen. Es ist unfassbar, in einer Gegend zu leben, die der Küche so viele gute Produkte zu bieten hat, und die sich diesen gleichzeitig so dermaßen verweigert. Und woraus ich in einem Restaurant, bodenständig oder gehoben esse, sollte auch nicht reine Nebensache sein. Es soll einfach stimmig sein.

KWB: Wo wäre denn für deine Arbeiten überhaupt Potential vorhanden? In welchen Bereichen?
Lindenbauer: Es fließen so viele Fördergelder in die Wirtschaft aber nicht zu den Künstlern, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Hier müsste es ein Miteinander geben so, dass jeder vom Anderen profitiert. In Salzburg werden mir die Türen weit geöffnet, zuhause schaut nicht einmal jemand bei der Tür herein. Die heimische Wirtschaft müsste die Distanz zu den „Kreativschaffenden“ abbauen, daraus entsteht „Kreativ-Wirtschaft“!

Zur Person: Geboren 1967 in Waidhofen in Niederösterreich entdeckt Petra Lindenbauer früh die Liebe zum Material Ton. Sie arbeitet seit ihrem vierzehnten Lebensjahr damit. Zuerst besuchte Petra Lindenbauer die Keramikschule in Stoob, danach folgt die Ausbildung in „Keramischer Formgebung“ an der Ortweinschule in Graz. Danach studiert sie an der Uni Wien Kunstgeschichte und Klassische Archäologie. Gemeinsam mit ihrem Mann Georg spezialisiert sich das Paar auf Heizobjekte aus Ton, Glas und Metall. 2006 zieht es die Lindenbauers nach Stadtschlaining ins Südburgenland, das zum Lebens- und Arbeitsmittelpunkt der vierköpfigen Familie wird. 2010 eröffnet Petra Lindenbauer in Stadtschlaining ihr Atelier/Galerie für zeitgenössische Keramik, „contemporary ceramics“.

Die Fotos und das Interview stammen von der Journalistin Vanessa Bruckner (Foto). Ein Teil des Interviews ist im Rahmen einer Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erschienen.

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 Vanessa Bruckner Vanessa Bruckner
Journalistin und Fotografin