Windkraft-Fotowettbewerb 2018
Einsendeschluss: 31. August 2018

„Kunst ist Schönheit, die man sich selbst schenken kann“

Friedl Gamerith im Garten © Vanessa BrucknerFriedl Gamerith am Klavier © Vanessa BrucknerFriedl Gamerith am Klavier © Vanessa Bruckner

Er weiß, dass man als Berufsmusiker Kompromisse eingehen muss. Vor allem dann, wenn man im Burgenland davon leben will. Friedl Gamerith scheint diesen Spagat äußerst gut zu beherrschen, schließlich ist er erfolgreicher Sänger, Komponist, und Regisseur. Im Interview mit der Kreativwirtschaft erklärt der 43-Jährige wie man sich hierzulande kunstvoll durchsetzt.

Kreativwirtschaft Burgenland (KWB): Kann man es sich in Deinem Beruf überhaupt leisten, auf
dem Land zu leben?
Friedl Gamerith: Ich sehe das ganz pragmatisch. Wenn du als Musiker nicht den Anspruch hast ausschließlich das zu machen, was dir Freude macht sondern man sich auch als Dienstleister sieht,
dann gibt es meiner Meinung nach genug Möglichkeiten auch am Land als Musiker leben zu können. Wenn du jetzt aber sagst „ich will nur meine Sachen machen können", dann wird`s schwierig. Ich habe Musik studiert und bin ziemlich schnell draufgekommen, dass ich als Barmusiker beispielsweise gut Geld
verdienen kann. Vom komponieren alleine hab ich nicht leben können. Im Nachhinein war dieser Job mehr als eine gute Entscheidung denn damals habe ich mir ein großes Repertoire an Liedern angeeignet, aus dem ich jetzt als Komponist schöpfen kann. Heute mache ich meine eigenen Sachen und spiele trotzdem ein paar Mal im Monat als Auftragsmusiker in einem Hotel. Ich sehe das wie ein Handwerker. Wenn er weiß, es passt für ihn und er kann das, dann macht er das.

KWB: Hast Du eigentlich fixe Engagements hier im Burgenland?
Gamerith: Streng genommen gibt es für mich keine Jobs, die nicht von heute auf morgen aufgelöst werden könnten. Aber wie eben schon gesagt, die Auftritte im Hotel beispielsweise, darauf kann ich mich schon verlassen. Außerdem trete ich fast jedes Monat einmal im Kurzentrum Bad Tatzmannsdorf auf wo ich mein aktuelles Kabarett „Gummibären lügen nicht" zum Besten gebe. Die Burgspiele Güssing werden jedes Jahr neu ausverhandelt, da war ich zwei Jahre lang als künstlerischer Leiter und Regisseur engagiert. Heuer bin ich wieder mit dabei, aber diesmal ausschließlich für die Musik zuständig. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, fixe Engagement auf Dauer, die suche ich eigentlich gar nicht.

KWB: Gestaltet sich Dein Beruf momentan so, wie Du es dir immer erträumt hast oder gibt es
nach wie vor Dinge, die Du gerne anders machen möchtest?
Gamerith: Natürlich muss ich auch mal Jobs machen, die mir vielleicht nicht soooo große Freude bereiten, aber mich als Musiker „prostituieren", wenn man das so salopp sagen kann, dass würde mir nie einfallen. Grundsätzlich muss mich meine Arbeit, meine Musik schon erfüllen. Alles zu machen nur wegen dem Geld, dass kommt für mich nicht in Frage. Dann brauche ich kein Musiker zu sein.

KWB:
Wie kommst Du zu Deinen Jobs, wie viel Einfallsreichtum ist da gefragt?
Gamerith:
Eine Zeitlang wurde ich von großen Firmen wie der BEWAG oder Banken für große Feiern engagiert. Dafür habe ich dann eigene Stücke geschrieben, was natürlich sehr aufwendig ist. So etwas leisten sich eben nur wenige Unternehmen. Grundsätzlich ist es ganz einfach: die besten Jobs ergeben sich, wenn Leute zam kommen. Punkt. Das wichtigste ist, dass man immer offen bleibt für neue Wege. Für mich war das Theater zum Beispiel so eine Sache, das hätt ich mir vor acht Jahren noch nicht träumen lassen, dass ich einmal Theaterstücke schreiben werde. Das ganze hat sich übrigens aus einem Projekt mit der Schule in Markt Allhau entwickelt. Durch die Arbeit mit den Kindern ist mir selbst klar geworden, dass ich eigentlich recht viel zu sagen habe (schmunzelt). Und so habe ich zu schreiben begonnen, auf eine Art und Weise, die ich zuvor noch nie versucht hatte. Theaterstücke eben.

KWB: Hat man als Berufsmusiker überhaupt noch genug Energie und Leidenschaft um sich ohne wirtschaftlichen Auftrag ans Klavier zu setzen?
Gamerith: Natürlich. Momentan begeistert mich klassische Musik sehr. Bach oder Beethoven lassen mich derzeit sehr oft am Klavier Platz nehmen und spielen. Ganz ohne Gesang, einfach nur Klavier spielen. Da hat sich wieder eine neue Welt für mich geöffnet, weil mich klassische Musik bis dato nicht wirklich interessiert hat. Die Unterscheidung zwischen privat und beruflich gibt es in punkto Musik bei mir aber nicht wirklich, es hängt ja alles irgendwie zusammen. Wenn ich eine Beethoven Symphonie für mich zuhause am Klavier erarbeite, dann beeinflusst das natürlich wiederum auch meine beruflichen Arbeiten.

KWB: Kunst, Kultur und das Burgenland. Eine gute Mischung, oder zum Scheitern verurteilte
Kombination? Was meinst Du?
Gamerith: Die Burgenländer sind auf jeden Fall sehr offen, was Kunst und Kultur betrifft. Das freut mich. Ich hatte als Künstler zuhause nie das Gefühl, dass ich es schwer habe als Musiker leben zu können. Man darf die Sache halt nicht verkehrt herum angehen indem man schaut, was das Land, die Wirtschaft für dich tun kann. Als Musiker musst du zusehen, was du für das Burgenland tun kannst. Wenn ich etwas in die Gesellschaft einbringe, dann kommt auch etwas zurück.
KWB: Kultur braucht Wirtschaft und umgekehrt - ist das so?!
Gamerith: Aus meiner Sicht sind die beiden unzertrennlich. Klarerweise muss man Dinge definieren, aber jeder Mensch ist Teil der Wirtschaft. So gesehen ist jeder Künstler, jeder Musiker auch ein Teil der Wirtschaft, Teil der Transaktion. Das, was man als Künstler anzubieten hat, ist in dem Moment, wo es jemand kauft oder konsumiert, wirtschaftlich. Die Frage beantwortet sich also von selbst. 

KWB: Was würdest du dir von der heimischen Wirtschaft wünschen?
Gamerith: Ich sehe mich nicht als Gegenüber der Wirtschaft, sondern als Teil von ihr, insofern wünsche ich mir nichts von der Wirtschaft. Es gibt nicht „die Wirtschaft dort und ich hier". Kunst ist die Schönheit, die man sich selber schenken kann ohne dass es viel Geld kosten muss.     

Zur Person: Friedrich „Friedl" Gamerith  wurde 1969 geboren und stammt aus einer Musiker- und Künstlerfamilie im  Burgenland. Mit 15 gründete er seine eigene Band "Globus" und  organisierte zahlreiche Benefizveranstaltungen für Afrika. Nach dem Studium an  der Jazzabteilung der Musikuniversität Graz zog er mit 24 nach London, wo er 10  Jahre lebte, ein Postgraduate Studium an der Guildhall School of Music and  Drama absolvierte, und sich danach als Jazzsänger und -pianist etablierte. Nach  seiner Rückkehr nach Österreich 2004, konnte er sich innerhalb weniger Monate  als Liedermacher und Kabarettist etablieren. 2010 übernahm er die künstlerische  Leitung der Burgspiele Güssing, wo er u.a. Oscar Wildes "Ein idealer Gatte",  "Das Gespenst von Canterville" und „Charleys Tante" auf die Bühne  brachte. Friedl Gamerith lebt und arbeitet in Oberschützen im Südburgenland.

Die Fotos und das Interview stammen von der  Journalistin Vanessa Bruckner (Foto). Ein Teil des Interviews ist im Rahmen  einer  Kooperation in der Burgenländischen Wirtschaft erschienen.

Downloads

zurück